Dienstleistungsrichtlinie: AK sieht Österreichs Betriebe als Verlierer

20. Mai 2005, 16:48
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Freiberuflern droht laut EU-Studie bis zu sechs Prozent Umsatz-Minus, Kosten sollen um bis zu 7 Prozent sinken - Zahl der Arbeitsplätze soll aber steigen

Wien - Österreichische Betriebe würden die Verlierer einer neue EU-Dienstrichtlinie sein. Das erklärte Arbeiterkammer-Chef Herbert Tumpel am Mittwoch bei einer Fachtagung in Wien.

Anders als die Wirtschaftskammer, die zuletzt auf knapp 30 Prozent steigende Exportwachstum verwiesen hat, beruft sich die AK auf eine Studie im Auftrag der EU-Kommission, wonach die Umsätze im österreichischen Dienstleistungsbereich um bis zu 6 Prozent sinken würden.

Freiberufler als Hauptbetroffene

Hauptbetroffen wäre demnach der Bereich der Freiberufler. Im Handel sagt das Szenario österreichischen Unternehmen 0,5 Prozent Umsatzrückgang voraus. Im Bereich der Unternehmens-Dienstleistungen und im Baubereich soll es leichte Umsatzzuwächse von 0,3 bzw. 0,1 Prozent geben. Ähnlich sieht es auf der Kostenseite aus. Dort sagt die Studie für die Freiberufler ein Minus von 7,1 Prozent und im Handel ein minus 2,5 Prozent voraus.

Offenbar heißt dabei die Tendenz für Österreich durch die neue Richtlinie zwar schlechter bezahlte, aber dafür mehr Jobs: Die Zahl der Arbeitsplätze im Freiberuflerbereich soll um 1,5 Prozent steigen, im Handel sogar um 21, Prozent. Lediglich im Bau sagt die Studie auf Grund neuen Reglements einen Beschäftigungsrückgang von 0,2 Prozent voraus.

Positive Auswirkungen "relativ enttäuschend"

Dagegen bezeichnet die AK die erwarteten positiven Effekte für den gesamten EU-Raum als relativ "enttäuschend". Nach der Studie sei in der EU gerade einmal ein Beschäftigungszuwachs von 600.000 Arbeitsplätzen zu erwarten, das entspreche nicht einmal 4 Prozent aller derzeit Arbeitslosen in den 25 EU-Staaten - das heißt, im besten Fall könnte sich jeder fünfundzwanzigste derzeit in der EU Arbeitslose davon einen Job erwarten.

Und die zusätzliche Wertschöpfung von 33,6 Mrd. Euro entspreche gerade mal 0,3 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts der alten EU-Staaten (EU-15), kritisiert die AK.

"Grenzenloses Lohn- und Sozialdumping"

Tumpel spricht von einem "Startschuss für ein grenzenloses Lohn- und Sozialdumping". Vor allem das umstrittene Herkunftslandprinzip, wonach jedes europäische Unternehmen in der ganzen EU Dienstleistungen anbieten darf und dabei nur die Bestimmungen seines Heimatlandes einhalten muss, wäre ein "verantwortungslosen Anschlag auf alle Versuche, in Europa höhere Standards im Arbeits- und Sozialrecht, im Konsumentenschutz und im Umweltschutz durchzusetzen".

ie Regierung müsse verhindern, dass diese kleinen und mittleren Betriebe und ihre zehntausenden Beschäftigten in einen zerstörerischen Konkurrenzkampf gehetzt werden, den sie gar nicht gewinnen können", meinte Tumpel. (APA)

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AK
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