Barsch-Evolution als Hinweis auf Riesen-See, der vor 2.000 Jahren austrocknete

4. Mai 2005, 19:30
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Einstiger Makgadikgadi-See in Ostafrika dürfte so groß wie die Schweiz gewesen sein

Graz - Warum haben gerade Flüsse des südöstlichen Afrikas eine solche Vielfalt von Buntbarschen (Cichlidae), die sonst nur in den großen Seen Südostafrikas - und in vielen heimischen Aquarien - zu finden ist? Der Lösung des Rätsels dürfte eine internationale Forschergruppe unter Beteiligung österreichischer Evolutionsbiologen näher gekommen zu sein. Sie stellen im Wissenschaftsmagazin "Nature" vom Donnerstag die Hypothese auf, dass die Fische ursprünglich aus einem riesigen See stammen - der allerdings vor rund 2.000 Jahren völlig ausgetrocknet ist.

Tanganyika-, Malawi-, und Viktoriasee sind, was Süßwasserfische anbelangt, die artenreichsten Gewässer der Welt. Das hängt mit der Vielfalt der aquatischen Lebensräume zusammen, die es den Arten ermöglicht, sich auf unterschiedliche ökologische Nischen zu spezialisieren. Wie sich so ein Artenreichtum auch in den Flüssen des südlichen Afrika entwickelt konnte, stellte für Biologen bisher ein Rätsel dar. Die Analyse des Erbguts brachte Licht in die Verwandtschaft der Arten.

Schön anzusehen, interessant zu erforschen

Die farbenprächtige Familie der Cichliden, der Buntbarsche, ist bei Aquarien-Besitzern sehr beliebt. Die artenreiche Familie ist aber auch für Evolutionsforscher interessant - hier vor allem die so genannten Haplochromine. So hat sich die internationale Biologengruppe die mitochondrionale DNA der Cichliden des oberen Kongo und Sambesi, des Okavango, Cunene und Limpopo untersucht.

So wollte man über genetische Varianten auf die Abläufe der Entstehung der Arten schließen. Dabei stellte sich heraus, dass es zu einer so genannten "adaptiven Radiation" gekommen sein muss. Das ist die Entstehung neuer, sehr spezialisierter Arten aus einer wenig spezialisierten, bereits vorhandenen Art innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraumes.

Der Makgadikgadi-See

Ort dieses Vorganges scheint ein heute verschwundener See zu sein. Wo der vor rund 2.000 ausgetrocknete Makgadikgadi-See lag, erstreckt sich heute zum einen das Okavango-Delta und weiter südlich die Makgadikgadi-Salzpfanne im heutigen Botswana. Der See dürfte laut geologischer Befunde vor 315.00 bis 460.000 Jahren durch eine Erdverwerfung entstanden, von u.a. Sambesi und Cuando gespeist worden und so groß wie die Schweiz gewesen sein.

Eine zweite Verwerfung ließ den Zufluss in das Makgadikgadi-Becken jedoch wieder langsam verebben. Zusätzliche Klimaänderungen vor rund 20.000 Jahren scheinen zur allmählichen Austrocknung geführt zu haben, so dass sich die Fische in die einmündenden Flüsse zurückzogen, vermuten die Biologen anhand der ähnlichen genetischen Befunde. Der ursprüngliche See verschwand nach Schätzungen von Forschern vor etwa 2.000 bis vielleicht nur 1.500 Jahren endgültig.

Anhaltender Effekt

"Der See hat offenbar alle großen Flusssysteme des südlichen Afrika mit ökologisch unterschiedlichen Cichliden 'befruchtet'. Das zeigt auch, wie ein eigentlich sehr lokaler evolutionärer Prozess während einer sehr kurzen Zeit einen wichtigen, anhaltenden Effekt auf die Biodiversität im kontinentalen Maßstab haben kann", so der Evolutionsbiologe und Leiter des Institutes für Zoologie der Uni Graz, Christian Sturmbauer. Sein Team erforscht die Beziehungen der Arten des Tanganyikasees und hat nun genetisches Vergleichmaterial aus Sambia beigesteuert.(APA)

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