Napoleons Hose verrät: Er wurde doch Opfer von Magenkrebs

4. Mai 2005, 19:00
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Basler Studie bestätigt frühere Diagnose und widerspricht Spekulationen über eine Vergiftung

Basel - Die Todesursache von Napoleon Bonaparte dürfte doch Magenkrebs gewesen sein. Eine Basler Studie bestätigt diese Diagnose, indem sie den Gewichtsverlauf Napoleons anhand seiner Hosen rekonstruiert. Sie widerspricht damit der Vergiftungsthese.

Historischer Hintergrund

Der gestürzte Kaiser der Franzosen starb am 5. Mai 1821 auf der Insel Sankt Helena im Südatlantik. Sein Leibarzt Francesco Antommarchi, der eine Obduktion durchführte, stellte als Todesursache einen bösartigen Magentumor fest.

Die Magenkrebs-Diagnose war erstmals 1961 von Forschern angezweifelt worden, die aus Arsenrückständen in Napoleons Haaren auf eine Vergiftung schlossen. Die Anhänger der Vergiftungstheorie führen auch an, dass Napoleon für einen Magenkrebs-Patienten bei seinem Tod übergewichtig gewesen sei.

Medizinische Aspekte

Der Gewichtsfrage ist nun auch die am Dienstag in Basel vorgestellte Studie von Alessandro Lugli vom Pathologischen Institut des Basler Universitätsspitals und zwei Mitautoren nachgegangen. Anhand des Autopsieberichts ermittelten die Forscher für den 1,67 Meter großen Napoleon ein Gewicht von rund 76 Kilo.

Übergewicht schließe die Diagnose Magenkrebs nicht aus, betonte Lugli vor den Medien: "Maßgeblich ist nicht das Gewicht, sondern der Gewichtsverlauf." Um diesen Verlauf festzustellen, studierten die Autoren zunächst bei 121 Männern das Verhältnis zwischen der Größe des Hosenbunds und dem Body Mass Index.

Mit diesem Wissen machten sie sich daran, die noch erhaltenen Hosen Napoleons zu vermessen. Die Rekonstruktion ergab, dass das Gewicht Napoleons von 1804 bis 1820 - ein Jahr vor seinem Tod - von schlanken 67,8 auf stolze 90,7 Kilo kletterte. In den letzten Monaten seines Lebens ging sein Gewicht dagegen um elf bis 14 Kilo zurück.

Pathologen sehen deutliche Hinweise auf Tumor

Für die Pathologen weisen die Daten deutlich darauf hin, dass Napoleon im Herbst 1820 an einem bösartigen Tumor erkrankte und sich sein Zustand bis Mai 1821 verschlechterte. Unmittelbare Todesursache dürfte eine Blutung als Komplikation des Magenkrebses gewesen sein.

Gegen die Vergiftungsthese spricht laut Lugli außerdem, dass Napoleons Haare bereits Jahre vor seinem Tod Arsenspuren aufwiesen. Eine Möglichkeit für diesen Befund könnte der damalige Brauch der Winzer gewesen sein, die Weinfässer mit Arsen zu reinigen - Napoleon sei bekanntermaßen ein Weinliebhaber gewesen.

... dennoch wird weiter spekuliert werden

Die Vergiftungstheorie wird unter anderem vom kanadischen Milliardär Ben Weider vertreten, der auch entsprechende Untersuchungen finanziert hat. Sein Hauptverdächtiger ist der Graf von Montholon (1783-1853): Dieser soll entweder von den Briten mit dem Mord beauftragt worden sein oder sich für eine Affäre Napoleons mit seiner Frau gerächt haben. (APA/sda)

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