Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Gotovina reiste mit falschem Pass

19. Mai 2005, 21:03
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Gesuchter General soll als Kristian Horvat ausgereist sein - Verhaftete Fälscher belasten Anwalt

Zagreb - Der flüchtige General Ante Gotovina hat Kroatien 2001 mit einem falschen Reisepass unter dem Namen Kristian Horvat verlassen. Das berichteten kroatische Medien am Mittwoch. Diesen zufolge war vergangenes Wochenende ein Verdächtiger festgenommen worden. Er soll das Dokument damals für 900 Deutsche Mark gefälscht haben.

Dem Verdächtigen, Franjo Katavic, wird vorgeworfen, er habe dafür im Jahr 1998 im kroatischen Konsulat in Mostar (Bosnien-Herzegowina) Originalformulare verschwinden lassen. Den Reisepass für Gotovina soll einer seiner Anwälte, Marijan Pedisic, über Mittelsmänner wie den ehemaligen Polizeibeamten Salih Fazlic bestellt haben.

Laut Medien hat die Polizei bereits ermittelt, dass Pedisic damals an Fazlic zwei Photos von Gotovina und 900 DM übergab. Pedisic dementierte freilich alle Zeitungsartikel. Laut "Vjesnik" ist die Zeugenaussage des ehemaligen Polizeibeamten Fazlic zur Zeit jedoch der einzige Beweis gegen den Anwalt des flüchtigen Generals.

Der mutmaßliche Fälscher, Franjo Katavic, und sein Bruder Miroslav sind seit Wochenende in Haft. Die Polizei fand in ihrer Wohnung falsche Reisepässe aus Kroatien, Italien, Israel und der Niederlande.

Gotovina gilt als Stolperstein Kroatiens auf dem Weg in die EU. Der Ex-General wurde bisher von Kroatien weder festgenommen noch ausgeliefert. Deshalb hatte die EU den für Mitte März geplanten Beginn von Beitrittsverhandlungen mit Kroatien ausgesetzt.

Der General ist wegen der mutmaßlichen Ermordung von 150 und der Vertreibung von 150.000 Serben im Jahr 1995 angeklagt. Die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertrubunals, Carla del Ponte, wirft den kroatischen Behörden vor, den untergetauchten General nach wie vor zu schützen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gotovina-Plakate in Zagreb

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