Harter Stoff von einem sanftmütigen Songwriter

6. Mai 2005, 15:20
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Das Album "Blinking Lights And Other Revelations" von Mark Everetts' Eels

Mark Everetts weitgehend solo betriebene Band Eels funktionierte immer schon gerade auch als selbsttherapeutisches Projekt. Hier wurden auf Alben wie Beautiful Freak, Souljacker oder Electro-Shock Blues oft schockierend persönliche und schmerzhafte Texte über süßlichem Folk-Pop, Country, Rock und filmmusikalischen Einflüssen verhandelt. Kein Wunder, wenn man sich die biografischen Katastrophen in Everetts realer Welt ansieht. Sein Vater, Hugh Everett III., Nuklearphysiker und Begründer der "Mehrweltentheorie", verfasste für das Pentagon Studien wie "Maximierung von Todesraten bei Nuklearangriffen" - und soff sich zu Tode. Sohn Mark hatte schon als Teenager ebenfalls Drogenprobleme und kam ins Gefängnis wie in die Psychiatrie. Später brachte sich Marks schizophrene Schwester 1996 um, gerade als Beautiful Freak kommerziell durchstartete. Zwei Jahre später starb Marks Mutter an Lungenkrebs. Im September 2001 kam Marks Cousine in jenem Flugzeug um, das in das Pentagon raste.

Mit dem Tod als ständigem Begleiter verbrachte Everett die vergangenen sieben Jahre damit, neben Veröffentlichungen wie Shootenanny seine Traumata für dieses jetzt vorliegende "Familienalbum" zu verarbeiten: "Things won't get better until they get much worse, am I stronger than the curse?"

Die 33 Songs von Blinking Lights And Other Revelations erweisen sich dabei als ebenso altmodischer wie in den Produktionsdetails moderner Songwriter-Pop erster Güte. Ein stilles Meisterwerk!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.5.2005)

Von
Christian Schachinger
  • EELS Blinking Lights And Other Revelations (Universal)
    foto: universal

    EELS
    Blinking Lights And Other Revelations

    (Universal)

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