Schule mit coolem Touch

25. Oktober 2006, 14:00
30 Postings

Das etwas andere Lernkonzept der Handelsakademie Steyr - Förderung der Eigenständigkeit und Teamfähigkeit statt starre Stundenpläne

Steyr - Ein Blick in die Klassenzimmer der Handelsakademie (HAK) im oberösterreichischen Steyr lässt Außenstehende staunen. Obwohl laut Stundenplan der Dienstagmorgen offiziell mit der Stunde Biologie beginnen sollte, haben es sich ein paar Schülerinnen und Schüler auf einer Ledercouch gemütlich gemacht oder diskutieren in kleinen Gruppen angeregt miteinander. Auch einen gestrengen Lehrkörper sucht man vergeblich.

Sorgen von Eltern um die Bildung ihrer Kinder sind aber dennoch völlig unbegründet. An der HAK/HAS Steyr praktiziert man seit Jahren erfolgreich ein etwas anderes Lehr-Konzept - Cooperatives Offenes Lernen (COOL) - lautet das Motto der Schule.

Alleinunterhalter ade

Der engagierte HAK-Lehrer Georg Neuhauser legte mit seiner Kollegin Helga Wittwer 1996 den Grundstein für die "coole" Unterrichtsmethode an der HAK Steyr. Oberstes Prinzip, basierend auf dem Dalton-Konzept, ist die Förderung von Eigenständigkeit und Teamfähigkeit.

"Die Zeiten sind vorbei, wo der Lehrer den Alleinunterhalter gibt. Die Schüler dürfen nicht mehr zum Konsumenten degradiert werden", ist Neuhauser überzeugt. In Steyr heißt das konkret, dass die Kids in etlichen Fächern mit Projekten betraut werden. Zur Verfügung steht pro Schulwoche eine bestimmte Anzahl "cooler" Stunden, in denen die Jugendlichen miteinander den Lernstoff bearbeiten.

"Es ist angenehm, in kleinen Gruppen zu arbeiten und nicht ausschließlich einem ermüdenden Frontalunterricht ausgeliefert zu sein. Die Lehranstalt wird hier zu einem spannenden Lernort", sagt der 17-jährige Andreas Minichberger stellvertretend für seine Klassenkollegen zum "coolen" Unterricht.

Initiator Neuhauser stellt seinen Lehrerkollegen in den österreichischen Schulen im Übrigen kein gutes Zeugnis aus: "Es gibt kaum einen Beruf, in der Egoismus so vorherrschend ist. Es wird in Schulgipfeln um Strukturreformen diskutiert, aber so lange nicht die Lehrer untereinander besser kooperieren und parallel dazu die Unterrichtsformen den veränderten Schülerbedürfnissen anpassen, wird sich nichts ändern." (DER STANDARD-Printausgabe, 4.5.2005)

Von Markus Rohrhofer
  • Artikelbild
Share if you care.