Neuer Zeuge der Anklage soll Jackson bloßstellen

5. Mai 2005, 11:59
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Hochverschuldeter Popstar soll Entführung des Buben und seiner Familie aus Panik geplant haben

Santa Maria - Wichtige Aussagen erhoffte sich die Staatsanwaltschaft von einem Zeugen, den sie am Dienstag in letzter Minute präsentierte, bevor die Zeugenaussagen der Anklage beendet werden sollten. Der frühere künstlerische Assistent von Jackson, Rudy Provencio, weiß nach Berichten von US-Medien einiges über den einstigen "King of Pop" und dessen Umgebung und sollte die Strategie der Staatsanwaltschaft stützen.

Panik vor Dokumentation

Die Anklage will nachweisen, dass Jackson und seine Umgebung wegen der geplanten Dokumentation, in der er zugab, mit Buben in einem Bett zu schlafen in Panik geraten seien. Und vermeiden wollten, dass nach früheren Missbrauchsvorwürfen gegen Jackson ein neuer Skandal daraus entstehe. Deshalb hätten sie vorgehabt, den jetzt klagenden und damals 13 Jahre alten Buben und dessen Familie außer Landes zu bringen. Zeugen der Anklage sagten aus, dass im Februar und März 2003 zahlreiche Anrufe aus Brasilien im Jackson-Lager eingegangen seien. Die Mutter des Burschen hatte wiederholt gesagt, dass sie in das südamerikanische Land entführt werden sollten.

Mehr ausgegeben als vedient

US-Popstar Michael Jackson ist nach Darstellung der Staatsanwaltschaft zur Zeit des angeblichen Missbrauchs des Buben hoch verschuldet gewesen. Der Buchhaltungsexperte John Duross O'Bryan erklärte vor dem Gericht, Jackson habe zwischen 1999 und 2003 weit über seine Verhältnisse gelebt. Insgesamt seien die Schulden des einstigen "King of Pop" auf rund 224 Millionen Dollar (174 Mio. Euro) gestiegen. Jackson habe jährlich "20 bis 30 Millionen Dollar" mehr ausgegeben, als er verdient habe.

Zweifel an Aussage von Jacksons Ex-Frau Debbie

Zuvor hatte ein weiterer Zeuge der Anklage, der Polizist Steve Robel, Zweifel an der jüngsten Aussage von Jacksons Ex-Frau Debbie Rowe aufkommen lassen: Bei einer polizeilichen Vernehmung zu den Missbrauchsvorwürfen habe Rowe den Musiker als "Soziopathen" bezeichnet, der seine Kinder als Besitztümer betrachte. Zu keinem Zeitpunkt der Vernehmung habe Rowe ihren früheren Ehemann als großzügigen oder guten Vater dargestellt, betonte Robel.

Abmachung zwischen Ex-Frau und Jackson

Zugleich habe die frühere Krankenschwester zugegeben, dass sie mit Jackson die Abmachung habe, ihre Beziehung in einem guten Licht erscheinen zu lassen, sagte der Polizist. Bei ihrer Scheidung von Jackson im Jahr 1999 war durchgesickert, dass sie sich - im Gegenzug für eine millionenschwere Abfindung - verpflichtet hatte, niemals über Jacksons angeblichen Drogenmissbrauch sowie sein "sexuelles Verhalten" zu sprechen. Am vergangenen Donnerstag hatte sich Rowe vor Gericht für den Popstar eingesetzt, obwohl sie als Zeugin der Anklage geladen war, und ihn als "übertrieben großzügig" und "großartigen Vater" beschrieben.

Jackson ist angeklagt, zwischen Februar und März 2003 den damals 13-jährigen krebskranken Buben mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell missbraucht zu haben. Außerdem soll er den Buben und seine Familie auf seiner Ranch gegen deren Willen festgehalten und geplant haben, sie zu entführen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem einstigen "King of Pop" bis zu 20 Jahre Haft. Der 46-jährige Sänger bestreitet alle Vorwürfe.

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