60 Tote bei Selbstmordanschlag in Erbil

6. Mai 2005, 19:59
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Attentat in Stadtzentrum auf Rekrutierungsstelle der Polizei im kurdischen Norden - Neun Tote bei Anschlag in Bagdad

Arbil - Beim schwersten Anschlag im Irak seit mehr als zwei Monaten sind US-Angaben zufolge am Mittwoch im nordirakischen Arbil (Erbil) rund 60 Menschen getötet und 150 weitere verletzt worden.

Auch der Anschlag in Arbil richtete sich gegen die neuen Sicherheitskräfte im Land. Der Selbstmordattentäter zündete seinen Sprengsatz irakischen Sicherheitsbehörden zufolge bei einem Büro der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), das als Rekrutierungszentrum für die Polizei genutzt wurde.

In der Erklärung der US-Armee hieß es, der Anschlag sei verübt worden, als sich Bürger vor einer Polizeistation versammelt hätten, um sich um Arbeit zu bewerben. Die Gesundheitsbehörden der mehrheitlich von Kurden bewohnten Region hatten zunächst von 46 Toten und 70 Verletzten gesprochen.

Live-Schaltung im irakischen Fernsehen

Das irakische Fernsehen unterbrach nach dem Anschlag seine Übertragung einer Parlamentssitzung in Bagdad und schaltete live zum Tatort in Arbil. Blutlachen waren auf dem Bürgersteig zu sehen, in den Straßen herrschte Chaos, Rettungswagen rasten durch die Stadt. Gouverneur Nawsad Hadi verkündete ein unnachgiebiges Vorgehen gegen die Gewalttäter: "Wir werden die Terroristen bekämpfen, bis wir sie vernichtet haben. Sie werden uns keine Angst einjagen."

Al-Kaida-Netzwerk bekennt sich

Eine zum Al-Kaida-Terrornetzwerk gehörende Extremisten-Organisation hat sich zu dem Anschlag bekannt. Auf einer islamistischen Internet-Seite erklärt die Terrororganisation Ansar el-Sunna am selben Tag, der Anschlag in der kurdischen Stadt sei eine "Rache für unsere Brüder, die Tag und Nacht in euren (kurdischen) Haftanstalten gefoltert werden".

In der an den Kurdenführer Massud Barzani gerichteten Erklärung heißt es weiter, der Anschlag habe sich auch gegen die kurdischen Peschmerga-Milizen gerichtet, "die ihre Waffen gegen Muslime gericht haben, wenn sie Hand in Hand mit den Amerikanern gekämpft haben". Die Terrororganisation, die schon mehrfach für brutale Attentate und Entführungen verantwortlich zeichnete, drohte mit weiteren Anschlägen.

Autos in Flammen

Arbil liegt rund 350 Kilometer nördlich von Bagdad in überwiegend von Kurden bewohntem Gebiet. Zahlreiche Autos vor dem Rekrutierungszentrum gingen in Flammen auf, mehrere angrenzende Gebäude wurden stark beschädigt. Dutzende Rettungswagen brachten die Verletzten in Krankenhäuser. Der Attentäter zündete den Sprengstoff, als sich zahlreiche Zivilpersonen um eine Anstellung bei der Polizei bewarben.

Signalwirkung

Arbil liegt rund 350 Kilometer nördlich von Bagdad in überwiegend von Kurden bewohntem Gebiet. Mit dem Anschlag machten die Aufständischen deutlich, dass sie die neue Regierung unter Führung des schiitischen Ministerpräsidenten Ibrahim Al Jaafari nicht akzeptieren und ihren Kampf fortsetzen. Mit den Opfern vom Mittwoch stieg die Zahl der Toten allein in dieser Woche auf fast 160. Der letzte Anschlag, bei dem mehr Menschen starben, wurde am 28. Februar verübt. Damals sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einem Rekrutierungszentrum in Hilla in die Luft und riss 110 Menschen mit in den Tod.

Mindestens neun Tote bei Autobombenanschlag in Bagdad

Nur wenige Stunden nach einem Selbstmordanschlag im Norden des Irak sind in der Hauptstadt Bagdad am Mittwoch durch eine Autobombe mindestens neun Mitglieder der Nationalgarde getötet worden. 20 Menschen wurden nach Angaben der Polizei bei der Explosion im Stadtteil Dura verletzt.

Zwei US-Soldaten bei Bombenexplosionen in Bagdad getötet

Bei der Explosion von am Straßenrand deponierten Bomben sind in Bagdad zwei US-Soldaten getötet worden. Die beiden Detonationen ereigneten sich beim Vorbeifahren amerikanischer Militärkonvois, wie die US-Streitkräfte am Mittwoch mitteilten.

Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP sind damit seit Beginn des Krieges im März 2003 mindestens 1.585 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen. (APA/AP/dpa/Reuters)

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    Sicherheitskräfte sperrten den Anschlagsort mitten im Zentrum ab.

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    Die zahlreichen Verletzten wurden in die umliegenden Krankenhäuser transportiert.

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