Attentat in Mailand: Proteste nach Freispruch für Rechtsextremisten

9. Mai 2005, 16:29
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Vor 36 Jahren wurden bei einer Explosion auf der Piazza Fontana 17 Menschen getötet

Rom - Für den ersten großen politisch motivierten Terroranschlag in Nachkriegsitalien, bei dem Ende 1969 in Mailand 17 Menschen getötet wurden, gibt es weiterhin für die Justiz keine Verantwortlichen. 36 Jahre nach dem Terroranschlag auf der Piazza Fontana in Mailand, bei dem auch 88 Personen verletzt wurden, bestätigte das oberste italienische Strafgericht am Dienstagabend den Freispruch von drei mutmaßlichen Mitgliedern der neofaschistischen Terrorgruppe "Neue Ordnung".

Die drei Männer waren in erster Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt und zweitinstanzlich im März 2004 freigesprochen worden. Damit bleibt eines der schwersten Attentate der italienischen Nachkriegsgeschichte, das zunächst anarchistischen, später neofaschistischen Kreisen zugeschrieben wurde, weiterhin ungeklärt. In zahlreichen Prozessen um den Terroranschlag hat es bisher keine rechtskräftigen Urteile gegeben.

Der Rechtsextremist Delfo Zorzi war in erster Instanz als jener Mann identifiziert worden, der das Attentat tatsächlich ausführte. Zorzi lebte nach der Tat jahrelang in Japan und ist inzwischen japanischer Staatsbürger. Zwei weitere Ex-Rechtsextremisten, Carlo Maria Maggi und Giancarlo Rognoni, die auch 2001 zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden waren, wurden ebenfalls freigesprochen.

Die Polizei hatte anfangs die Täter in Kreisen der Linksextremisten gesucht und mehrere Personen festgenommen. Nach jahrelangen Untersuchungen wurden dann Rechtsextremisten für den Anschlag verantwortlich gemacht. In verschiedenen Prozessen wurden Verdächtige ursprünglich verurteilt, später aber wieder freigesprochen worden.

Rechtsgerichtete Kreise, darunter auch Vertreter der Regierung Berlusconi, warefen dem Gericht nach der Verurteilung Linkslastigkeit vor. Staatssekretär Carlo Taormina, ein einflussreicher Anwalt aus Berlusconis Forza-Italia-Partei, erklärte, das Urteil sei "mit linker Tinte" geschrieben.

Das Attentat am Ende des "Heißen Herbstes" von 1969 mit Demonstrationen, Streiks und Protesten war der Beginn einer ganzen Serie von Attentaten linker und rechter Extremisten, die die ganzen 70er Jahre andauerten. Der Freispruch der Rechtsextremisten löste heftige Proteste in Italien aus. "36 Jahre Leid und noch kein Verantwortlicher für dieses Blutbad", klagte die Tochter eines Opfers des Anschlags auf der Piazza Fontana. Die Familienangehörigen werden sogar für die Spesen des langen Prozesses aufkommen müssen, berichtete die Turiner Tageszeitung "La Stampa" in ihrer Mittwoch-Ausgabe. (APA)

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    Die Höchstrichter bei ihrem Urteilspruch

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    Bei dem Anschlag auf der Piazza Fontana in Mailand wurden 17 Menschen getötet.

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