Ganz schön flüssig

19. Mai 2005, 22:19
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Mediterrane Seen, moderne Thermalbäder und der weltberühmte Franciacorta-Spumante in der Region Brescia

Wenn Hansi Hinterseer eine romantische Kulisse für einen Dreh sucht, dann kommt er hierher. Ans äußerste Ende der vier Kilometer in den Gardasee hineinragenden Landzunge, ins verklärte Städtchen Sirmione, und lehnt sich singend an die Klippen. Dort, an der Inselspitze, liegt nichts mehr vor einem, man hat alles hinter sich (Menschen, Autos oder Geschäfte). Angenehm, wenn man über die Kalkwasserbänke hinweg in das schummrige Blau des entfernt liegenden anderen Gardaseeufers schaut.

Surfhooligans

Klarer Fall: Dem Ehrentitel des als Pensionistenkartause und zugleich Hort der Surfhooligans verschrienen lombardischen Gewässers - "Alpenmeer" - ist Barde Hinterseer freilich seine Pflicht schuldig. Einmal alpin, immer alpin. Im Rausch der dortigen minimalen Freiheit singt er bei gleichzeitiger Vollbeschallung der ihn umgebenden historischen Gemäuer (bekannt als "Die Grotten des Catull") seine Schlager ins Sonnenlicht. Wir sehen das dann sicher bald im Fernsehen.

Von so einem Dreh oder der generellen Frühjahrsmüdigkeit gezeichnet, verbringt man den Folgetag in diesem Zauberstädtchen am besten in einem der neu renovierten Wellnesshotels (drei bis fünf Sterne). Die Heilwirkung des seit 1900 professionell genutzten, schwefelhaltigen Thermalwassers der Region Brescia kombiniert man hier mit Fitness- und Gesundheitsprogrammen: von Fangokuren über Inhalationsbehandlungen zu professionell geleitetem Muskeltraining. Schließlich macht jeder Rachen, jedes Ohr einmal schlapp. Die exklusivste Herberge dafür ist das Grand Hotel Terme unmittelbar vor den Stadtmauern Sirmiones, das sich inwendig die Schönheit alter Architektur und Einrichtung erhalten konnte: Antiquitäten als Meublage, 80 Jahre alte Parkette, wunderschöne alte Holzdoppeltüren, Leinenbettwäsche.

Zu den in puncto Luxus vergleichbaren Absteigen am Brescianer Land zählt die in eine versteckte Waldlandschaft eingebettete Gesundheits- und Schönheitsvilla L'Albereta (fünf Sterne) in Erbusco. Mit der romantisch zugewachsenen Anlage hat sich ein gütiger und jetzt wohl reicher Mann namens Henri Chenot seinen Traum verwirklicht. Auf vier zum Teil unterirdischen Etagen repariert seine hochspezifizierte Mannschaft aus Gesundheits- und Schönheitstherapeuten das, was eine hoch bezahlte Yuppie-Generation sich wochentags im Beruf am Körper ruiniert. Zehn Sorten Trinkwasser zur Auswahl können da schon helfen.

Zivilisationskrankheiten

Weiters zur Behandlung von Zivilisationskrankheiten vorgesehen: Thermalwasserbäder, Schlammpackungen, Sauerstoffkuren, Gesichts- und Wassermassagen. Im hauseigenen Diätrestaurant stehen die nötigen Mineralien wie Salz und Pfeffer parat. Jeder Gast ist in seinem, einem der insgesamt 57 Zimmer, zudem verantwortlich für ein Goldfischbecken, es ist nicht leer.

Das Hauptrestaurant, dessen Interieur vom (ausgeprägten) künstlerischen Geschmack seines Chefs schwer gekennzeichnet ist, ist das Reich eines der weltweit angesehensten Köche, Gualtiero Marchesi, er entwirft die ausgesuchtesten Kreationen, unter anderem mit Blattgold (soll gegen Rheuma gut sein).

Wer beim Nutzen der berühmten Brescianer Wasserqualität lieber trocken bleiben will, geht aufs Schiff und setzt so über den nahe dem Gardasee gelegenen Iseosee. In seiner Mitte befindet sich die europaweit größte bewohnte Seeinsel namens Monte Isola und mit ihr sämtliche eigentümlichen Bräuche und Sitten. Die Insel ist bis auf die Gefährte von Pfarrer und Arzt autofrei und bedarf dementsprechend orientierungssicherer Besucher. Oft führen nur schmale Fußwege zum Ristorante, so etwa auch zum "Canogola" in der Via Porto di Siviano.

Auslassen ist Sünde

Wer in Brescia aber die Franciacorta auslässt, ist ein echter Sünder. Das in Fachkreisen weltbekannte und wunderschöne, seit den Napoleonischen Feldzügen der Originalmachart des Champagners verpflichtete Weinbaugebiet südlich des Iseosees ist zu Recht stolz auf sein dem großen französischen Bruder nachempfundenes Produkt. Das Gut "Villa Franciacorta" beispielsweise ist aus den Resten eines kleinen Dorfes entstanden und beherbergt heute neben einer gigantischen Weinkellerei auch (einfache) Ferienapartments mit Spielplätzen und Swimmingpool sowie einen beeindruckenden Festsaal, in dem zum nämlichen Schaumwein selbstverständlich Kostbarkeiten der an dieser Stelle viel zu wenig gewürdigten und immer wieder famosen italienischen Küche gereicht werden.
(Der Standard/rondo/06/05/2005)

Von Margarete Affenzeller

Info: Italienisches Fremdenverkehrsamt ENIT Wien
Kärntnerring 4, 1010 Wien
Tel.: 01 / 505 16 39
www.airdolomiti.it
www.termedisirmione.com
www.bresciatourism.it
www.albereta.it
www.villa-franciacorta.it
  • Altstadt von Brescia
    foto: standard

    Altstadt von Brescia

  • Im neu renovierten Thermenhotel "Aquaria" spiegelt sich der Gardasee.
    foto: standard

    Im neu renovierten Thermenhotel "Aquaria" spiegelt sich der Gardasee.

  • Hafenbecken der von einer Ringmauer umgebenen Scaligerburg aus dem 13. Jahrhundert.
    foto: standard

    Hafenbecken der von einer Ringmauer umgebenen Scaligerburg aus dem 13. Jahrhundert.

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