Das schönste Kleid im Leben einer Frau

14. Mai 2005, 21:57
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Der Couturier Olivier Lapidus hat sich nun auch des Themas Hochzeitskleid angenommen

Olivier Lapidus wurde sozusagen in die Couture hineingeboren - als Enkel eines begabten Herrenschneiders aus Litauen und einer renommierten Pariser Hutmacherin, als Sohn eines Grand Couturiers der 70er-Jahre - Ted Lapidus - sowie als Neffe der prominenten Modeschöpferin Torrente. Nach Anfängen bei Balmain werkte Olivier Lapidus (Jahrgang 1958) selbstständig, wobei er sich in den Neunzigerjahren nicht nur einen Namen als Couturier machte, sondern auch als Erfinder utopisch erscheinender Patente, die den Bereich Textil mit Elektronik verbanden (u. a. in Zusammenarbeit mit Nokia, Sony und den Lyoneser Seidenwebern).

Heute ist er als unabhängiger Couturier für mehrere Marken tätig und empfängt Privatkundinnen, umgeben von chinesischen Antiquitäten, in seiner Wohnung in der Avenue Foch. Seit Kurzem entwirft Olivier Lapidus auch eine kleine Couture-Brautkollektion für die Firma Pronuptia, die Hochzeitskleider erzeugt und vertreibt. Die "Pronuptia Couture"-Kollektion ist in Frankreich in 13 Pronuptia-Boutiquen erhältlich, im Ausland nur auf Bestellung.

DER STANDARD: Was bedeutet für einen Couturier die Kreation von Hochzeitskleidern?
Olivier Lapidus: Was gibt es Schöneres? Das ist doch besser als Jogginganzüge! Hier lässt sich am besten die Tradition der Couture weiterführen: Volumen, Stickerei, Schleier, Mieder, raffinierte Accessoires bis zum Strumpfband - alles, was heute im Pret-à-porter nur mehr wenig realisiert wird. Das ist so, wie wenn man heute in einer Epoche des Post-Hardrock Beethoven oder Brahms spielt.

DER STANDARD: Wodurch wird eine junge Frau von heute beim Kauf eines Brautkleides motiviert?
Lapidus: Das ist ja kein spontaner Kauf wie bei der Alltagskleidung, sondern ein psychologischer Akt, bei dem sie sich in eine ideale Vorstellung von sich selbst projiziert, weil sie bei diesem - hoffentlich - einmaligen Ereignis so schön wie möglich erscheinen will. Es ist übrigens erstaunlich, dass Brautkleider in Form und Ausstattung auf eine Tradition aus dem 19. Jahrhundert zurückgehen.

DER STANDARD: Wie viele Modelle enthält die Pronuptia-Kollektion?
Lapidus: Die Grundkollektion bietet circa 80, von Elisabeth Barboza entworfene Brautkleider, die pro Saison von meinen 15 Couture-Modellen plus Abend- und Cocktail-Kleidern ergänzt werden. Ich bin der künstlerische Leiter für alle Kreationen, die von 340 bis zu 3500 Euro kosten. Ich mache aber auch weiterhin nebenbei Haute Couture für Privatkundinnen zu erschwinglichen Preisen.

DER STANDARD: Sie haben in den Neunzigerjahren mit Avantgarde-Modellen Aufsehen erregt, in die elektronische Elemente integriert waren. Wann gibt es ein Brautkleid mit Leuchtfasern?
Lapidus: Das war Mitte der Neunzigerjahre der Höhepunkt einer Kollektion mit optischen Fasern, parfumierten Mikrokapseln und Solarzellen, die nicht nur das Kleid wärmen, sondern auch Batterien für Handys und GPS aufladen können. Ich habe das Patent für in die Kleidung eingebaute Handys und Computer - das kommt natürlich nur für Outdoor-Wear infrage und sollte eigentlich auch deutsche oder österreichische Fabrikanten, zum Beispiel von Skikleidung interessieren . . . Das war damals revolutionär, heute wird es in China und Japan für den großen Markt entwickelt.

DER STANDARD: Sie kommen gerade aus China zurück, wo Sie drei Jahren lang tätig waren - ein Land, dessen Textilexporte wie eine Lawine auf uns zukommen.
Lapidus: Die einzige Möglichkeit für die europäische Industrie, die chinesische Lawine aufzuhalten, ist eine Erneuerung durch exportierbare Erfindungen. Doch dafür müssten verschiedene Industrien zusammenarbeiten. Es gibt genug Talente hier, aber zu wenig Förderung.

DER STANDARD: Was haben Sie für die Chinesen entworfen?
Lapidus: Vor allem Outfits für eine staatliche Firma. Unter anderem tragen heute Tausende von Stewardessen der staatlichen Luftlinien meine Uniformen. Nebenbei habe ich auch eine Linie von bestickten Jeans nach Frankreich gebracht. Ein Riesenerfolg, der von vielen kopiert wurde! Das war eine Idee meiner Frau Yara, die bei einem chinesischen Antiquitätenhändler alte Stickereien entdeckt hat.

DER STANDARD:Sie sind seit acht Jahren glücklich verheiratet. Was halten Sie von Hochzeit und Ehe im Allgemeinen?
Lapidus: Die Hochzeit ist wohl die einzige Zeremonie, die sich quer durch die Jahrhunderte und alle Religionen - und den Atheismus - fast gleich erhalten hat. Geändert haben sich nur die Farben - im 16. Jahrhundert waren Brautkleider rot! Es ist soziologisch aufschlussreich und irgendwie beruhigend, dass in unserer schnelllebigen Zeit, wo so viele alte Werte verloren gehen, die Jungen noch immer an dieser Tradition festhalten. (Der Standard/rondo/06/05/2005)

Von Linda Koreska

Pronuptia de Paris
1010 Wien, Schwarzenbergstr. 1-3
Tel.: 01 / 513 20 25
4020 Linz, Goethestr. 7
Tel.: 0732 / 66 32 02
www.pronuptia.com
  • Schleier & Stiefel: Kreation aus der "Pronuptia Couture"
    foto: pronuptia

    Schleier & Stiefel: Kreation aus der "Pronuptia Couture"

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