Auf eine Burenhaut mit dem Stadtoberhaupt

5. Mai 2005, 21:10
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Erster Preis: Würstel essen mit Häupl

Wien - Ausgefüllt hatten sie die Kärtchen im Herbst eigentlich nur per Hetz. Wer glaubt schon, dass man einmal gewinnen könnte. Vor allem so etwas: ein Essen mit Bürgermeister Michael Häupl. Beim Sacher. Genauer gesagt: beim "kleinen Sacher". Schräg gegenüber vom großen Sacher stehen sie nun am Montagabend, vorm Würstelstandl mit selbigem Beinamen.

Das Stadtoberhaupt ist bereits in Sichtweite, studiert mit Mitarbeitern ein Dokument. Amtsgeschäfte. Während Jungaktivisten in rotem Outfit die "Wähl-Bar" - das Propaganda-Instrument der Wiener SPÖ - für das zwanglose Beisammensein rüsten.

Nun kommt er heran, der Stadtvater, begrüßt die Gewinner des Würstelessens - "Seawas!" Ein Bub versteckt sich hinter der Mutter. "Das hat meiner auch scho' g'macht beim Zilk", tröstet Häupl.

Glasl in der Hand

Dann stehen sie beieinander, Gewinner und Preis. Essen Würstel. Trinken Bier. Eine Mitarbeiterin will Häupl das Bier wegnehmen - da werde gerade gefilmt. "Aber was", wehrt der ab. "Ein Glasl in der Hand hat noch keinem Wiener Bürgermeister g'schad't."

Landesparteisekretär Harry Kopietz versucht, das Gespräch in Schwung zu bringen. "30 Grad hat's." Alle brüten ob der Hitze und dem Gewicht dieser Aussage.

Dann, endlich, die entscheidende, die erlösende Frage eines Gewinners: "Wie war's beim 1. Mai?"

Gewaltig, gewaltig

Jetzt ist Häupl im volksnahen Element. "Gewaltig", berichtet er. "Schon am Vormittag das Politische am Rathausplatz. Und am Nachmittag im Prater. Gewaltig."

Der Bann ist gebrochen. Hast du's nicht versehen, ist das Stadtoberhaupt schon am Anekdoten erzählen. "Einmal hat der Svihalek eine Deponie besucht", erinnert er an seinen früheren, bar jeglicher Fortune ausgeschiedenen Umweltstadtrat. "Dem haben s' so ein weißes, enges Schutzg'wandl angezogen." Und auch ohne dass das Wort "Michelin-Männchen" fällt, sehen es mit einem Mal alle vor sich.

"Nur einmal war er besser. Beim Rafting in Wildalpen. Den Neopren-Anzug hat er nicht zubekommen - den haben s' dann vor der Brust zugeschnürt. So kreuzweis'."

Die glücklichen Gewinner können 's kaum glauben. Ein Abend, den man so schnell nicht wieder vergisst. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 04.05.2005)

  • Gewinnerin Sabrina K. und der Bürgermeister mit Burenhaut
    foto: standard/andy urban

    Gewinnerin Sabrina K. und der Bürgermeister mit Burenhaut

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