Freier Markt auch für Bankkonten

20. Mai 2005, 16:47
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Die EU-Kommission legt Vorschläge für einen freieren Markt der Bankdienstleistungen vor: Zunächst sollen Kontoeröffnungen erleichtert werden

Brüssel - Wer ein Bankkonto in einem anderen EU-Land eröffnen oder gar einen Kredit aufnehmen will, weiß, dass hier von einem gemeinsamen Markt noch nicht die Rede sein kann. Das Privatkundengeschäft in Europa ist "ein Kuchen, der in 25 verschiedene Stücke geteilt ist", kritisiert EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy.

Er legte deshalb am Dienstag Vorschläge vor, die zu einem grenzenlosen Markt für Finanzdienstleistungen in der Union führen sollen. So gibt es bisher keine einheitliche Regeln für Hypothekenkredite und auch kein europäisches Lastschriftverfahren.

EU-weite Standards

Der irische Kommissar will in einem ersten Schritt die Bedingungen für eine Kontoeröffnung in einem anderen EU-Land unter die Lupe nehmen, da häufig von Banken ein Wohnsitz als Voraussetzung dafür verlangt wird. Ziel ist es auch, EU-weite Standards für Finanzprodukte wie Lebensversicherungen und andere Sparformen zu schaffen.

Der Kommissar stellt auch einen Vorschlag der EU-Kommission für Börsen in Aussicht, um "ein Spielfeld zwischen regulierten Märkten, multilateralen Trading Einrichtungen und Investmentfirmen zu etablieren". Es soll aber keine speziellen Vorschriften für Finanzanalysten oder Firmenübernahmen geben. Hier werden die geltenden Regeln als ausreichend erachtet.

Bei Bereichen, die Brüssel bereits geregelt hat, gibt es jedoch auch Mängel. Seit Juli 2002 soll das Geldabheben an Automaten im Ausland nach einer EU-Verordnung nicht mehr kosten als im Inland. Daran halten sich aber nicht alle Banken.

Auslandsüberweisungen

Seit Juli 2003 dürfen überdies Überweisungen ins EU-Ausland eigentlich nicht mehr kosten als im Inland. Bisher gilt dies für Beträge bis 12.500 Euro, ab dem kommenden Jahr bis zu 50.000 Euro. Doch wie viel eine Auslandsüberweisung kostet, lässt sich für Kunden überhaupt nicht absehen, beklagen Verbraucherschützer.

Denn die Banken garantieren die Inlandsgebühr nur bis zur Grenze. Den eigentlichen Transfer erledigen Zwischenbanken, die unterschiedliche Gebühren nehmen. In vielen Fällen kassiert auch noch einmal die Empfängerbank im Ausland ab, sodass vorab für den Verbraucher nicht absehbar ist, wie viel alles kostet. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.05.2005)

  • Das Abheben vom Bankomat sollte seit 2002 europaweit gleiche Kosten verursachen.

    Das Abheben vom Bankomat sollte seit 2002 europaweit gleiche Kosten verursachen.

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