Wahlrecht: Ungerecht, aber glasklar

6. Mai 2005, 17:47
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Um wieder Premier werden zu können, muss Tony Blair zunächst in seinem Wahlkreis im nordenglischen Sedgefield ins Parlament gewählt werden, wo gegen ihn Reg Keys, der Vater eines im Irak gefallenen Soldaten, als Unabhängiger antritt.

Um im Wahlkreis zu gewinnen, benötigt ein Kandidat bloß mehr Stimmen als der Zweitplatzierte. Die restlichen Stimmen fallen unter den Tisch, sodass manchmal der Sieger mit 26 Prozent Stimmanteil ins Unterhaus einzieht, während der Zweite mit 25 leer ausgeht. Kleinere Parteien sind chancenlos. Britische Urnengänge schaffen aber klare Mehrheiten, Feilschen um Koalitionen ist die Ausnahme.

Um die Wahlbeteiligung (zuletzt 59 Prozent) zu erhöhen, wurde heuer die Briefwahl stark propagiert. Weil die Parteien Antragsformulare ausgegeben und die ausgefüllten selbst an die Wahlbehörde weitergeleitet haben, kam der Verdacht eines Wahlschwindels auf. Bei knappen Ergebnissen könnte es in manchen Wahlkreisen zu langwierigen Gerichtsverfahren kommen. (fh, est/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.5.2005)

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