Irreführende Werbung deutscher Firmen nimmt zu

9. Mai 2005, 18:08
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In knapp 3.500 Fällen musste sich Wettbewerbszentrale 2004 irreführender Werbung widmen - Unterhaltungselektronik vor allem betroffen

Angesichts der anhaltenden Konsumzurückhaltung locken Unternehmen die Verbraucher nach Angaben der Wettbewerbszentrale vermehrt mit irreführender Werbung in ihre Läden. Beschwerden über unlautere Werbung haben im vergangenen Jahr der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs (WBZ) zufolge stark zugenommen.

"Um die Verbraucher aus ihrer Konsumzurückhaltung zu locken, nehmen es manche Anbieter mit der Wahrheit nicht so genau. Es werden Angebote als besonders attraktiv und Produkte als besonders qualitativ dargestellt, auch wenn dies tatsächlich nicht zu trifft", teilte die Wettbewerbszentrale am Dienstag anlässlich ihrer Jahrestagung mit. In knapp 3.500 Fällen musste sich die Wettbewerbszentrale im vergangenen Jahr irreführender Werbung widmen.

Unterhaltungselektronik vor allem betroffen

Zahlreiche Fälle habe es vor allem in Unterhaltungselektronikmärkten gegeben. Dort seien Verbrauchern günstige Preise durch Hinweis auf eine unverbindliche Preisempfehlung der Hersteller suggeriert worden, die es so nie gegeben habe.

Wiederholtes Ziel der Verbraucherschützer war in den vergangenen Monaten der Metro-Konzern mit seiner aggressiven Werbung für die Praktiker-Baumärkte und seine Elektronikmärkte. Zum Jahresbeginn hatte Media Markt damit geworben, den Kunden einen Rabatt in Höhe der Mehrwertsteuer zu gewähren. Die WBZ hatte daraufhin eine Unterlassungserklärung verlangt, weil der tatsächliche Preisnachlass nicht 16 Prozent, sondern nur 13,79 Prozent betragen habe, da er sich auf den Nettopreis bezog.

Saturn abgemahnt

Der Bundesverband der Verbraucherschutzzentralen mahnte eine Aktion der Metro-Kette Saturn ab, die damit geworben hatte, Artikel zum Einkaufspreis zu verkaufen. Dem Verband zufolge hatte Saturn aber kurz zuvor zahlreiche Preise angehoben. Auch andere Aktionen der Metro-Töchter waren schon abgemahnt worden. Metro-Chef Hans-Joachim Körber sagte dazu am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen in Düsseldorf: "Wenn die Werbung nicht mehr abmahnungsfähig ist, dann fehlt doch etwas." Metro werde an den umstrittenen Kampagnen festhalten. "Unser Pulver ist noch lange nicht verschossen."

Insgesamt hat sich die Zahl der Beschwerden über unlautere Werbung nach Angaben der WBZ 2004 um neun Prozent auf 20.376 Fälle erhöht. In mehr als 80 Prozent der Fälle hätten Verstöße ohne die Anrufung der Gerichte abgestellt werden können. Dennoch habe die Wettbewerbszentrale im vergangenen Jahr 946 Prozesse führen müssen. (APA/Reuters)

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