"Mona Lisa bis Madonna"

10. Mai 2005, 21:43
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Zwischen Spott und hintergründigem Witz: Werke von Mathias Waske erstmals in Österreich ausgestellt

Wien - "Seine Bilder zeugen von einer gehörigen Portion Hintergründigkeit und blankem Spott", meinte Hausherr Joram Harel bei einer Pressekonferenz im Kunsthaus Wien über den deutschen Maler Mathias Waske und dessen erste Ausstellung in Österreich, "Mona Lisa bis Madonna" (4. Mai bis 18. September). Zu sehen sind 150 Bilder in surrealistischer und phantastischer Manier, die teilweise berühmte Vorlagen wie die "Betenden Hände" ironisch und humorvoll verfremden. So entstand bei Waske "Der betende Hase (Hommage an Dürer)" oder "Waskes Mona Lisa" mit zwei Gesichtern.

Quasi zu den Wurzeln seiner Wissenschaft führte Kunsthistoriker Alexander Rauch im Rahmen der Erläuterung zum Werk Waskes, als er "das ewige Problem der Kunstgeschichte" formulierte: "Was ist Kunst"? Und weiter: "Welchen Stellenwert nimmt ein Maler ein, was ist moderner: Abstraktion oder Verfremdung"? Mathias Waske sei schwer einordenbar, da er "das Wagnis eingegangen ist, gegenständlich zu malen" in einer Zeit, in der "Farbspritzer als Wanddekoration" der Trend seien. Der heutige "Individualismus der Gesellschaft" erlaube zum Glück, in jeder Richtung künstlerisch tätig zu sein, sei es als abstrakter Maler oder, wie Waske, in altmeisterlicher Technik.

"Hinter der Maskerade der Wirklichkeit"

Die Hauptfrage wäre für Rauch aber, "welche Kunst der Menschen von heute interessiert die Betrachter in hundert Jahren"? Im Grunde werde es sich so verhalten wie auch heute, denn "die Menschen interessiert immer das Gleiche, nämlich typische Aussagen über das Leben, die Empfindungen oder das Bewusstsein einer Zeit". So werde Kunst wie jene von Waske bleiben, die in ihrer Bildersprache komplexe Aussagen treffe, ohne die Welt so zu malen, wie sie sei. Rauch: "Das macht ja schon die Fotografie". Aber Waske zeige in seiner Arbeit, "was sich hinter der Maskerade der Wirklichkeit befindet".

In den Werken Waskes bleibt kein Heiligtum der Kunstgeschichte verschont. So malte er mittelalterliche Ikonen oder Engelsdarstellungen der Renaissance nach und versah sie mit erotischen Attributen oder witzigen Requisiten. Die "Arkadischen Hirten" von Nicolas Poussin wurden bei Waske zur allegorischen Darstellung eines Big Macs in "Ein gefundenes Fressen", oder Dürers höchst aktueller "Feldhase" wurde mit seinem ebenso berühmten Werk "Betende Hände" bei Waske zu "Der betende Hase (Hommage an Dürer)" verquickt.

Werke abseits der großen Museen

Waske selbst erzählte, dass auch Kleinigkeiten wie ein Namensschild aus Email ihn zu Bildern anregen können. So assoziierte er zu einem solchen vom Flohmarkt stammenden Schild mit der Aufschrift "Madame O. Fabre" eine schöne Frau, nackt am Fenster mit dem Rücken zum Betrachter stehend, wie sie gerade Wäsche zum Trocknen aufhängt. Waske: "Ich stahl Unterwäsche aus dem Schrank meiner Frau, plastifizierte BH und Höschen und befestigte sie an einem Eisengestell, das ich am Bild anbrachte". Für die Frau stand übrigens Waskes Gattin Tina Modell. Erst später erfuhr der Künstler von der wahren Bewandtnis des Schildes: "Es stammte von einer Kirchenbank".

Der 1944 in Crailsheim geborene Maler studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt. Seit 1968 lebt und arbeitet er in München und Südfrankreich. Seine Bilder sind hauptsächlich im Besitz privater Sammler, wie der Fürstenfamilie von Monaco, der Astronauten von Apollo 11 oder Sergio Leone. Auch in einigen Museen ist er vertreten. Waske: "Aber in so komischen wie dem Kartoffelmuseum oder dem Brotmuseum. Ihr habt ein Schnapsmuseum in Wien, da fehlt noch ein Bild von mir"! (APA)

"Ausstellung Mathias Waske: "Mona Lisa bis Madonna", Kunsthaus Wien, 4. Mai - 18. September, tgl. 10 - 19 Uhr, 1030 Wien, Untere Weißgerberstr. 13, Tel: 7120495
  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Der betende Hase (Hommage an Dürer)"

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