Cholesterinprobleme: Ärzte plädieren für Medikamente

9. Mai 2005, 10:00
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Experten: Diät kann nur zehn Prozent der schädlichen Blutfette senken

Wien - Für eine medikamentöse Behandlung von Cholesterinpatienten plädieren österreichische Mediziner: Mit der Aktion "Time to ACT" versuchen sich Experten dafür einzusetzen, dass Personen, die an erhöhten LDL-Blutfettwerten über 100 Milligramm pro Deziliter Blut sowie an Herz- und Kreislaufkrankheiten leiden, verstärkt geeignete Therapien bekommen.

Mit Diäten sei nur eine Senkung um rund zehn Prozent möglich, sagte die Sozialmedizinerin Univ.-Prof. Anita Rieder von der Medizinischen Universität Wien. "Das alleine ist wirklich nicht genug", betonte die Wissenschafterin. Um den zu hohen Anteil am schädlichen LDL-Cholesterin zu senken, seien Medikamente notwendig.

Rechtfertigungsdruck gegenüber Kassen

Im Kreis der Ärzte und Patienten ist diese Auffassung offenbar noch nicht sehr weit verbreitet: Während etwa die Bereitschaft, Diabetes mit geeigneten pharmazeutischen Produkten zu behandeln, nahezu bei hundert Prozent liegt, hält dies bei erhöhten Blutfetten nur ein gutes Drittel für angebracht. Univ.-Prof. Dr. Bernd Eber vom Klinikum Kreuzschwestern Wels sieht dafür mehrere Gründe. Unter anderem stünden die Ärzte unter einem Rechtfertigungsdruck gegenüber den Krankenkassen. So seien etwa die cholesterinsenkenden Statine chefarztpflichtig. Auch werde die Konfrontation mit dem Patienten wegen möglicher Nebenwirkungen vermieden. Daneben hätten einschlägige Medikamente immer noch zu wenig Bekanntheit.

Die Senkung der LDL-Cholesterinwerte bringe eine signifikante Verringerung der Sterblichkeit, sagte Eber. Eine einprozentige Reduktion dieser Blutfette komme einem einprozentigen Rückgang von Herzinfarkten und Schlaganfällen gleich.

Mehr als 50 Prozent der Österreicher sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weltweit sind das pro Jahr 15 Millionen Todesopfer. Als eine Ursache dafür gilt ein zu hoher Cholesterinspiegel. Vor allem beim schädlichen LDL-Cholesterin gehen die Fachleute davon aus, dass es eigentlich kaum mehr einen Grenzwert - nach unten - gebe. Möglichst niedrige Konzentrationen im Blut schützen vor Gefäßverkalkung (Atherosklerose) und damit vor "Herzinfarkt, Schlaganfall & Co". (APA)

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    Cholesterin und Atherosklerose

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