RSF will "Schere im Kopf" stumpf machen

9. Mai 2005, 08:39
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Journalistengewerkschaftschef Bauer sieht problematische Entwicklungen auch in Österreich

Bereits 21 tote Journalisten zählt Reporter ohne Grenzen (RSF) dieses Jahr: "Wenn das so weitergeht, wird es auch heuer eine extreme Steigerung der Zahl der getöteten Journalisten geben", warnte Rubina Möhring Präsidentin von RSF Österreich, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien aus Anlass des Welttags der Pressefreiheit. Doch auch in Ländern, in denen kein physischer Druck auf Journalisten ausgeübt wird, kann die Pressefreiheit bedroht sein - etwa durch die "Schere im Kopf".

"Unsere Aufgabe ist es auch, diese Schere stumpf zu machen und die Kollegen dazu zu ermutigen, aufrecht zu gehen", sagte Möhring. Ein "neues Phänomen der Bedrohung" sind indes Geiselnahmen, allen voran im Irak, geworden, warnte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission.

Fehlen edes Presserats gravierender Mangel

Österreichische Journalisten müssen nicht um Leib und Leben fürchten, problematische Entwicklungen - wenn auch gänzlich anderer Qualität - sieht Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft, aber auch hier zu Lande. Gerade entwickelte Demokratien müssten die Standard der Meinungsfreiheit besonders hoch halten, mahnte er. In Österreich sei das Fehlen des Presserats nach wie vor ein gravierender Mangel, so Bauer. Das geplante Projekt der Chefredakteure ist für ihn eine "schwer verständliche Methode" und berge "Gefahr für interne Zensur".

Die "Schere im Kopf" kann in Österreich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen aktiviert werden, kritisierte Bauer weiters: Der wirtschaftliche Druck auf die Beschäftigten wachse, prekäre Dienstverhältnisse seien weiter auf dem Vormarsch. Rund um die Vergabe des Stadion-Baus in Klagenfurt würden außerdem Medien "mit Klagen zugedeckt", sagte Bauer: "Die Methode ist bekannt. Wir werden uns anschauen müssen, inwieweit hier Gerichte missbraucht werden, um Medien unter Druck zu setzen." (APA)

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