In jeder Hinsicht am Tiefpunkt

6. Mai 2005, 10:14
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Während Österreich in die Relegation muss, herrscht Verwunderung über den ausladenden WM-Rahmen - Neue Halle im Gespräch

Wien - Die erste Chance auf den Klassenerhalt hat das österreichische Eishockey-Team vergeben vergeben. Nach der 0:5-Abfuhr gegen Weißrussland am Montag Abend geht es in der Abstiegsrunde ab Freitag gegen die anderen drei Gruppen-Letzten um zwei Plätze für die WM 2006 in Lettland. "Wir können besser spielen, und das wird auch nötig sein", erklärte Teamchef Herbert Pöck nach der Pleite. Davor steht noch am Mittwoch (20:15) das abschließende Vorrunden-Spiel gegen die Slowakei an.

Rückfall bei der Heim-WM

In den vergangenen Jahren hat sich Österreich im Eishockey - auch dank guter Auslosung - stets in den Top-12 gehalten. Ausgerechnet bei der Heim-WM erfolgte der Rückfall. In der schweren Gruppe A war für die stark ersatzgeschwächte ÖEHV-Auswahl (ohne Divis, Dalpiaz, Brandner, Vanek, T. Pöck, Koch, P. Lukas, Szücs) nichts zu holen.

"Die acht besten Spieler sind nicht da"

"Wir haben vor der WM gewusst, das ist eine schwere Gruppe, und auf Grund der Ausfälle spielen wir gegen den Abstieg. Wir haben uns in Prag (WM 2004) mit einer tollen Leistung und einer tollen Mannschaft verabschiedet. Aber die acht besten Spieler sind nicht da, und die können wir nicht annähernd ersetzen", erklärte Pöck.

Zu schwach für Weißrussland

Gegen Weißrussland wurde dies den 8.400 Zuschauern in der Stadthalle brutal vor Augen geführt. In der Offensive ohne Durchschlagskraft, mit unnötigen Strafen und im Penalty-Killing schwach, schlitterten die Österreicher ins Debakel. "Die Weißrussen haben ihre Möglichkeiten optimal ausgenützt. Auch die vielen Strafen haben eine Rolle gespielt", meinte Torhüter Bernd Brückler.

"Bei uns gibt es keine Panik"

Nun droht wie schon 1996 ausgerechnet bei der Heim-WM der Abstieg. Für das Trainerteam heißt es, dafür zu sorgen, dass die Mannschaft nicht in ein mentales Loch fällt wie vor neun Jahren. Und die zweite Chance zu nützen. "Bei uns gibt es keine Panik. Wir haben noch das Ziel vor Augen. Wir haben den Spielern gesagt, jetzt muss jeder Charakter zeigen. Es gibt eine neue Möglichkeit, die Gegner sind nicht von dem Kaliber wie in der Vorrunde", so Pöck.

Auftakt gegen Deutschland?

Los geht's am Freitag (16:15) in Wien gegen den Letzten der Gruppe D - und da könnte Deutschland warten. Ein Angstgegner. Zuletzt hat ein österreichisches Team vor 71 Jahren (2:1 1934 in Mailand) bei einer WM gegen den Erzrivalen gewonnen. "Egal ob Deutschland, Kasachstan oder die Schweiz, jedes Spiel wird sehr, sehr hart. Aber einmal sind sie fällig. Wir waren schon im Vorjahr knapp dran", sagt Pöck. Danach geht es nach Innsbruck, am Sonntag Mittag (12:15) gegen den Letzten der Gruppe C (Ukraine oder Dänemark), am Mittwoch (20:15) gegen Lettland oder Slowenien.

Peinliches Erscheinungsbild

Während es sportlich für die Österreicher nicht läuft, will auch die Kritik an den Organisatoren nicht verstummen: Massive Schwierigkeiten mit dem Eis und ein wenig einladendes Erscheinungsbild bzw. Umfeld der Wiener Stadthalle lassen die Sportstadt Wien in keinem guten Licht erscheinen, Bauzäune, Einkaufswagen oder Müll sind nicht unbedingt ein schicker Rahmen für eine WM.

Auch international wird dies bemerkt. So hat etwa die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag festgestellt: "Die Stadthalle, in der die Eishockey-WM abgewickelt wird, ist gemessen am Steffl nagelneu, aber für eine Sportarena sind 40 Jahre ein historisches Alter. Für die WM wurde ein optisches Lifting zugesagt, auffallend ist aber eher eine Baustelle, die das Areal umzingelt."

Neue Mehrzweckhalle?

Eine neue Mehrzweckhalle stellte der Wiener Bürgermeister Michael Häupl am Dienstag in Aussicht, ein solches Projekt wäre überlegenswert: "Wir brauchen natürlich ein zusätzliches Hallenangebot für Sport und weitere Veranstaltungen etwa im Kongressbereich", so Häupl: "Wir werden das innerhalb dieses Jahres zu entscheiden haben." Innerhalb von acht Jahren könnte eine solche Halle für 12.000 bis 15.000 dann stehen, gab er sich überzeugt. Bei der Finanzierung wäre ein PPP-Modell (Public-Private-Partnership) möglich.

Die Kritik an der Stadthalle anlässlich der WM ließ Häupl nicht gelten. "Man sollte letztendlich Schluss machen mit der Matschgerei. Es ist lächerlich, wen man so einen tollen Sportevent mit diesen Dingen kleinredet." Die Qualität der Eisfläche sei jedenfalls Sache der Veranstalter und nicht der Stadt Wien. Im Übrigen habe der internationale Eishockeyverband über das Alter der Stadthalle Bescheid gewusst, als Wien den Zuschlag bekam, so Häupl.

Laska verteidigt sich

Wiens Vizebürgermeisterin und Sportstadträtin Grete Laska hat sich bei einem Empfang im Rahmen der Eishockey-WM äußerst kritisch zu den "organisatorischen und technischen Problemen" in der Wiener Stadthalle geäußert. "Die Rundum-Bedingungen sind einfach nicht optimal. Beim derzeit in Wien herrschenden Eishockey-Boom und den zahllosen Stars bei der WM ist das umso schlimmer", fand Laska klare Worte.

Witzig: Der erwähnten WM-Empfang der Stadt Wien war ursprünglich für 400 Personen ausgerichtet, auf Grund einladungstechnischer Pannen verirrten sich aber nur eine Hand voll Journalisten.(APA/red)

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    Patrick Machreich wird statt Bernd Brückler das Tor gegen die Slowakei hüten.

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