Wiener Symphoniker unter zweiköpfiger Führung

10. Mai 2005, 21:49
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Direktorium von Fabio Luisi und Peter-Sylvester Lehner ersetzt ab 1. Oktober den bisherigen Generalsekretär Rainer Bischof

Wien - Mit einer neuen Führung gehen die Wiener Symphoniker in die Saison 2005/06. Ein zweiköpfiges Direktorium ersetzt ab 1. Oktober den bisherigen Generalsekretär Rainer Bischof, der Ende September nach 17 Jahren aus seiner Funktion ausscheiden wird. Gemeinsam mit dem neuen Chefdirigenten Fabio Luisi wird der neue administrative Direktor Peter-Sylvester Lehner (Jahrgang 1963) sein Amt antreten.

Symphoniker-Präsident Rudolf Streicher erläuterte am Dienstag, dass es "nach langer Diskussion" nun bei einer Vereins- statt der angedachten GesmbH-Lösung geblieben sei, die "schmälere Organisation" jedoch nun aus drei Organebenen bestehe: Neben der Mitgliederversammlung gibt es nun einen vierköpfigen Vorstand (neben Streicher der Ex-Intendant der Bregenzer Festspiele Alfred Wopmann, das Vorstandsmitglied der Kommunalkredit Austria AG Claudia Schmied sowie Erich Becker, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der VA Tech AG), dem zwei vom Orchester gewählte Vertreter kooptiert sind, sowie das Direktorium mit dem Chefdirigenten und dem administrativen Direktor.

"Keine Unsicherheiten"

"Wir sind sauber und ordentlich finanziert", versicherte Streicher, "Es gibt keine Unsicherheiten. Wir sind uns sicher, dass wir von der Stadt Wien als Orchester nicht im Stich gelassen werden." Obwohl man künftig zusätzlich auch als Opernorchester im Theater an der Wien fungiere, gebe es keinen Bedarf, die bisherigen 10,5 Millionen Euro Subventionen zu erhöhen, allerdings hoffe er auf das eine oder andere "unbare Entgegenkommen". Es wurde gespart, Überdienste wurden minimiert und Rücklagen aufgebraucht.

Die Wiener Symphoniker hätten den Reformauftrag erfüllt, sagte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Die Symphoniker werden künftig zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben auch als Opernorchester im Theater an der Wien zu hören sein. Die langjährige Verbindung der Symphoniker zu den Bregenzer Festspielen bleibt jedoch auch in Zukunft erhalten.

Programm-Ausblick

"Ich glaube, dass es uns gelungen ist, für 2005/06 einen schwungvollen Bogen zu spannen", meinte Peter-Sylvester Lehner, der in den vergangenen eineinhalb Jahren für das Organisationsmanagement des Orchesters verantwortlich war. Insgesamt stehen 148 Orchesteraufführungen (davon 41 Konzerte im Musikverein, 22 im Konzerthaus und 21 auf Tournee) sowie 49 Veranstaltungen und Workshops auf dem Saison-Programm. Inklusive Oktober 2006 werden im Theater an der Wien 13 Opernvorstellungen und neben weiteren Orchesterkonzerten auch das Inaugurations-Konzert am 8.1.2006 (Dirigent: Placido Domingo) gespielt.

Die über 100-jährige Tradition des Orchesters bilde die Grundlage seiner Arbeit, erläuterte der neue Chefdirigent Fabio Luisi das Saison-Motto "Offenheit in der Tradition". Mit ihren neuen Plänen demonstrierten die Wiener Symphoniker aber vor allem Offenheit: "Wir haben eine Palette an Tätigkeiten, die ihresgleichen sucht. Endlich können wir auch in Wien beweisen, was wir seit Jahren in Bregenz zeigen: dass wir ein hervorragendes Opernorchester sind." Diese Offenheit inkludiere aber auch eine sehr aktive Jugendarbeit, viele kammermusikalische Aktivitäten und eine Reihe neuer Akzente.

Opern, Open Airs und "mehr als ein Ball"

Gleich vier Open Airs spielen die Symphoniker in der kommenden Saison: Neben der Festwochen-Eröffnung am Rathausplatz, einem Freiluftkonzert in Coburg und einem Mozart-Open Air am Josefsplatz im Rahmen des "Klangbogens" spielt das Orchester auch beim Donauinselfest (25.6.2006, 21 Uhr). "Wir glauben, dass ein Hinausgehen zu den Wienern auch eine Aufgabe der Wiener Symphoniker ist", sagte Lehner.

"Auftakt" nennt sich ein Fest der Wiener Symphoniker, das "mehr als ein Ball" sein soll, am 30.9. im Wiener Rathaus. Sein Antrittskonzert als neuer Chefdirigent gibt Luisi im Konzerthaus mit einer Uraufführung von Bernhard Lang. Insgesamt dirigiert er 2005/06 die Symphoniker in 28 Konzerten und 20 Opernaufführungen (14 heuer in Bregenz, sechs im Oktober 2006 im Theater an der Wien). Mit dem Kammerkonzert-Zyklus "Mozart plus" wird auch das Mozartjahr berücksichtigt. Darin gehen acht Ensembles aus den Reihen des Orchesters der Frage nach, welche Ausstrahlung Mozart auf Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts hat.

Im Theater an der Wien spielen die Symphoniker die Opern "La Clemenza di Tito" (Musikalische Leitung: Paolo Carignani, Premiere: 26.3.2006) und "Die Zauberflöte" (Dirigent: Fabio Luisi, Premiere: 11.10.2006). In Bregenz, wo die Symphoniker heuer zum 60. Mal bei den Festspielen auftreten, spielt man 2005 "Der Troubadour" auf der Seebühne und "Maskerade" im Festspielhaus.(APA)

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