Stephane Lissner hat sein Amt angetreten

3. Mai 2005, 11:53
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Sein zweiter Arbeitstag beschert ihm ein Treffen mit den Gewerkschaften

Mailand - Der Musikdirektor der Wiener Festwochen und Leiter des Musikfestivals von Aix-en-Provence, Stephane Lissner, hat heute, Dienstag, das Amt des Intendanten der Scala übernommen. Damit steht erstmals seit der Gründung des Mailänder Opernhauses 1778 ein Nicht-Italiener an seiner Spitze. Der 52-jährige Franzose übernimmt außerdem erstmals die Funktionen des Intendanten und des künstlerischen Leiters in einer Hand vereint. Lissners Vertrag läuft bis Ende 2009.

Lissner trifft am Mittwoch die Gewerkschaften, die mit ihrem fast zweimonatigen Streik das Theater lahm gelegt hatten. Der Streik hatte zum Rücktritt von Musikdirektor Riccardo Muti und Lissners Vorgänger Mauro Meli geführt. Die Belegschaft hat sich über Lissners Ernennung zum neuen Intendanten positiv geäußert.

Dirigentensuche

Lissner plant als erstes, sich auf die Suche nach Dirigenten für jene vier Mozart-Opern zu machen, die im kommenden Jahr geplant sind. Lissner hofft, den vor drei Wochen zurückgetretenen Musikdirektor der Scala, Riccardo Muti, für mindestens eine Oper nach Mailand zurückzubringen. Muti hatte am Montagabend bei einem Konzert mit den Wiener Philharmonikern an der Scala einen Riesenerfolg geerntet. "Die Musik wird bei mir immer absolute Priorität haben", betonte der neue Intendant.

Noch unklar ist, wie Lissner seine Rolle als Scala-Intendant mit seinen Verpflichtungen in Wien und in Aix-en-Provence verbinden wird. "Ich werde im Herbst bekannt geben, wie ich meine bisherigen Verpflichtungen mit meiner Funktion als Scala-Intendant vereinen werde", schrieb Lissner in einer Presseaussendung vergangene Woche.

Potenzieller Konflikt

"Jetzt beginnt die schwierigste Phase für die Scala. Lissner wird Einschnitte beschließen müssen, um den finanziellen Engpass zu überwinden. Unklar ist noch, wie sich diese Lage auf die Belegschaft auswirken wird", sagte Gewerkschaftssprecher Roberto Monticelli. Er warnte Lissner, das Personal nicht allein für die finanziellen Schwierigkeiten zahlen zu lassen.

Das Defizit des Theaters ist 2004 auf 8,3 Millionen Euro geklettert, 2003 waren es noch 6,89 Millionen Euro. Bis Ende 2005, befürchtet der Scala-Aufsichtsrat, könnte das Minus auf 16 Millionen Euro klettern, sollte der neue Intendant keine einschneidenden Einsparungen durchbringen.(APA)

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