Time Warner verliert 600.000 Datensätze von Beschäftigten

10. Mai 2005, 10:12
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Informationen über Mitarbeiter kommen bei Hochsicherheits-Transport abhanden

Der Medienriese Time Warner ist mit einem der größten Fälle von Identitätsdiebstahl der Geschichte konfrontiert. Dem Unternehmen sind die auf Bändern gespeicherten Daten von 600.000 gegenwärtigen und ehemaligen Mitarbeitern abhanden gekommen. Der Verlust ereignete sich bei einem Transport eines auf Hochsicherheits-Angelegenheiten spezialisierten Unternehmens. Auf den Bändern waren Namen, Sozialversicherungsnummern und andere Daten der Mitarbeiter enthalten. Kundendaten sind von dem Identitätsdiebstahl nicht betroffen, teilte Time Warner mit. Offline

Anders als Datendiebstähle in der jüngsten Zeit ereignete sich der Vorfall quasi offline - passierte also nicht, indem Missetäter in das Computersystem der betreffenden Firma eingedrungen sind. Vielmehr kamen die Daten bei einem Straßentransport abhanden. Die auf derartige Dienstleistungen spezialisierte Firma Iron Mountain aus Boston sollte die Daten in einem Kühl-Container per Truck zu einem Speicherzentrum bringen.

Bereits im März ereignet

Iron Mountain sei schon seit Jahren für Time Warner tätig, teilte das Medienunternehmen mit. Der Vorfall, der sich bereits im März ereignet hat, aber erst jetzt offiziell bekannt gegeben worden ist, werde vom U.S. Secret Service untersucht. Sowohl Time Warner als auch Iron Mountain vermeiden es beharrlich, von einem Diebstahl zu sprechen. Menschliches Versagen sei für den Vorfall verantwortlich, sagte Iron-Mountain-Sprecherin Melissa Burman. Was genau passiert ist, ist nach wie vor unklar - Iron Mountain hält es sogar für möglich, dass die Container während der Fahrt vom Truck gefallen sind oder die Lieferung an die falsche Adresse erfolgte. Als Konsequenz aus dem Ereignis will Time Warner in Zukunft die Backup-Tapes verschlüsseln, "obwohl dies bisher nie jemand getan hat", sagte Unternehmens-Sprecherin Kathy McKiernan laut einem Bericht des Wall Street Journal.

Grell

Der Vorfall wirft jedenfalls ein grelles Licht auf die heikle Materie der Daten-Übertragungen, egal ob diese online oder gleichsam offline erfolgen. Im Internet hat sich inzwischen ein florierender Schwarzmarkt für solche gestohlenen oder "abhanden gekommenen" Daten etabliert. Für einen Datensatz, der etwa die Sozialversicherungs- und Kreditkartennummer oder die Nummer des Führerscheins enthält, werden auf dem Schwarzmarkt rund 100 Dollar bezahlt, berichten Experten.(pte)

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