Johanna Dohnal und ihre Frauenpolitik auf eigener Homepage

10. Mai 2005, 10:14
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Dohnal: "Ich bin in heftigem Unruhestand"

Das Wissen über die Frauenpolitik unter der früheren Frauenministerin Johanna Dohnal soll nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb hat die SPÖ eine neue Homepage über Dohnal ausgearbeitet und am Dienstag präsentiert. Neben einem historischen Rückblick, ihrer Biografie, einem Überblick über aktuelle Vorträge und Diskussionen mit der ersten Frauenministerin kann man sich zu frauenpolitischen Themen wie Fristenregelung, Gewaltschutz, Gleichbehandlung, Frauenförderung einlesen.

Positionen

Die frauenpolitischen Positionen der ersten Frauenministerin und der SPÖ-Frauen sollen so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein. Dohnal selbst befindet sich zwar im Ruhestand, aber: "Ich bin in heftigem Unruhestand". Unruhig und sorgenvoll betrachtet die Vorkämpferin für Frauenanliegen vor allem die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage von vielen Frauen. "Die finanzielle Lage hat sich für die meisten Frauen dramatisch verschlechtert", gibt Dohnal gegenüber der APA zu bedenken. So sei an vielen "gravierenden Punkten" anzusetzen. "Man müsste fast alles gleichzeitig angehen".

Frauenpolitik

Frauenpolitik habe nicht die Interessen einiger Privilegierter, sondern möglichst die aller Frauen zu vertreten. "Dringend" und "unbedingt" müsse das Kinderbetreuungsgeld neu geregelt werden. Eine einkommensabhängige Auszahlung biete die Chance, die Festschreibung der Kinderbetreuung auf die Frauen aufzubrechen. Es gebe nun mal gesellschaftliche Phänomene, dazu gehöre, dass immer derjenige aus dem Beruf aussteigen werde, der das geringere Einkommen hat. Um soziale Ungerechtigkeiten bei so einem Modell nicht aufkommen zu lassen, ist für Dohnal eine Mischform denkbar.

Kinderbetreuung

Beim Thema Kinderbetreuungsplätze - "eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Gleichstellung der Frau" - entkommt ihr vorerst nur ein "Ach Gott!". Endlich müsste die Bereitstellung von ausreichenden Plätzen als Bundeskompetenz gelten, und die Länder dazu verpflichtet werden, den Gemeinden genügend Geld zur Verfügung zu stellen.

"Da geht es mir psychisch verdammt schlecht", wenn sie sieht, wie die Lebensgrundlagen vieler Menschen zerstört werde. Es gehe nicht nur um zunehmende Armut, sondern auch um den Abbau von Infrastruktur, angefangen vom Postamt bis zur Zugverbindung und dem Zugang zum Gesundheitssystem. Da sieht Dohnal jetzt schon ein Zwei-Klassen-System.

Keine politische Funktion

Die neue Homepage bedeute nicht, dass sie irgendeine politische Funktion in der SPÖ übernehmen werde. Ins innenpolitische Geschehen werde sie sich aber immer wieder einbringen. Sie erhalte "wahnsinnig viele Einladungen" zu Veranstaltungen. Dohnal war in der Vergangenheit "ganz gezielt" beim Frauen- und Sozialstaatsvolksbegehren aktiv, engagiert sich für Organisationen wie Attac und stellt ihr Know-How auf Gemeindeebene zur Verfügung. In der Frauenarbeitsgruppe im BSA (Bund Sozialdemokratischer Akademiker) soll sie im Mai den stellvertretenden Vorsitz übernehmen: "Das ist aber eine Ausnahme".

Dohnal war die erste Frauenministerin und 16 Jahre lang in der Bundesregierung. Die Homepage bietet einen Querschnitt über die 25 wichtigsten Reden von den siebziger Jahren aufwärts bis jetzt und darüber hinaus eine vollständige Bibliographie der Publikationen von Johanna Dohnal.(APA)

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