US-Finanzinvestor Texas Pacific steigt bei deutscher Mobilcom ein

9. Mai 2005, 11:10
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27,3 Prozent der Anteile um 265 Mio. Euro von France Telecom erworben

Rund zweieinhalb Jahre nach der Beinahe-Pleite des deutschen Mobilfunkdienstleisters Mobilcom verkauft der französische Großaktionär France Telecom den Großteil seiner Beteiligung an einen Finanzinvestor. Von dem US-Investmentfonds Texas Pacific (TPG) erhofft sich der Vorstand von Mobilcom Rückhalt für die geplante Fusion mit der Internet-Tochter Freenet.

Übernahme

Der Private-Equity-Fonds TPG werde für 265 Mio. Euro insgesamt 27,3 Prozent an Mobilcom übernehmen, teilte France Telecom am Montag in Paris mit. Damit zieht sich der Konzern vom deutschen Telekommunikationsmarkt zurück, auf dem er vor fast fünf Jahren mit Mobilcom als Partner angetreten war. "France Telecom schließt das Buch über den deutschen Markt", sagte Finanzdirektor Michael Combes in Paris.

Mobilcom begrüßte den Anteilserwerb. Der Einstieg festige die Aktionärsstruktur. Das Management des zweitgrößten deutschen Wiederverkäufers von Mobilfunk-Verträgen hob hervor, dass TPG die geplante Verschmelzung der mobilcom AG mit der freenet.de AG sehr positiv bewerte. Der Freenet-Vorstand hat mehrfach Bedenken gegen die Eingliederung der Festnetz- und Internet-Tochter in Mobilcom geäußert.

Abgabe

France Telecom hatte nach Angaben von Mobilcom zuletzt 29,1 Prozent an dem Unternehmen aus Büdelsdorf gehalten. Ein Verkauf der Anteile war seit längerem erwartet worden, da France Telecom die Beteiligung nur noch als Finanzinvestment betrachtete.

Vor gut zweieinhalb Jahren hatte ein Streit zwischen France Telecom mit dem Unternehmensgründer und damaligen Großaktionär Gerhard Schmid das norddeutsche Unternehmen an den Rand der Pleite gebracht. In einem Kompromiss erklärte sich France Telecom schließlich zur Übernahme der Milliardenschulden seines einstigen Partners bereit. Schmid musste sich im Gegenzug aus dem Unternehmen zurückziehen.

Streit

Er kämpft zurzeit um sein früheres Vermögen. Auf der jüngsten Hauptversammlung hatten die Aktionäre gegen den Willen von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, im Zusammenhang mit der damaligen Trennung Schadensersatzansprüche gegen France Telecom in Milliardenhöhe geltend zu machen.

Mobilcom erklärte, TPG übernehme selbst 18,2 Prozent der Anteile, die mit dem Fonds verbundene Investmentgesellschaft TPG-Axon erwerbe weitere 9,1 Prozent. TPG ist in Deutschland unter anderem beim Badarmaturen-Hersteller Grohe engagiert, im Telekom-Sektor gehören dem Finanzinvestor Anteile an TIM Hellas und Eutelsat. (APA)

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