US-Außenministerium spielt Differenzen mit Italien herunter

4. Mai 2005, 23:06
3 Postings

Außenamtssprecher Boucher spricht von Übereinstimmung in sehr vielen Fragen im Fall Calipari

Washington/Rom - Das US-Außenministerium hat die Differenzen mit Italien über die Umstände der tödlichen Schüsse auf den Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari in Bagdad heruntergespielt. Es sei wichtig, sich daran zu erinnern, dass es eine gemeinsame Untersuchung gewesen sei und dass es Übereinstimmung in sehr vielen Fragen gebe, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher am Montag in Washington. Er hoffe, dass nicht nur nach den Differenzen in beiden Untersuchungsberichten gesucht werde, sondern auch nach den Gemeinsamkeiten.

Boucher sprach außerdem von "exzellenten" Beziehungen zwischen Italien und den USA. Calipari werde nicht nur in Italien, sondern auch in den USA als Held angesehen, der sich in schwierigen Umständen sehr mutig verhalten habe. Boucher wollte sich allerdings nicht zu den Umständen äußern, warum der geheime Bericht in vollem Umfang im Internet verbreitet wurde. Für entsprechende Anfragen sei das Pentagon zuständig.

Vorwürfe gegen USA

Die italienischen Mitglieder der Untersuchungskommission zum Fall Calipari hatten in ihrem Bericht Vorwürfe gegen die USA erhoben. Kein Zeichen oder Signal habe den ankommenden Verkehr auf den US-Kontrollpunkt hingewiesen, "das heißt, es fehlte die elementarste Vorsichtsmaßnahme sowohl für den Zivilverkehr als auch für die Soldaten selbst", heißt es in dem 67-seitigen Dossier.

Calipari hatte Anfang März die kurz zuvor freigelassene Geisel Giuliana Sgrena zum Flughafen in Bagdad bringen wollen, als US-Soldaten an einem Kontrollpunkt das Feuer eröffneten. Calipari starb, als er bei dem Beschuss versuchte, die Journalistin mit seinem Körper zu schützen. Wahrscheinlich hätten "Unerfahrenheit und Stress" bei den Soldaten zu einer "instinktiven Reaktion" geführt.

Die immer wieder aufgeworfene Frage, ob das Auto zu schnell gefahren sei, stelle sich unterdessen gar nicht, heißt es in dem Bericht weiter: "Die Frage scheint nicht relevant zu sein, da die Zeichen für den Kontrollpunkt fehlten." Jedoch gebe es keinerlei Anzeichen dafür, dass das US-Militär absichtlich auf den Wagen geschossen habe, hieß es weiter. Sgrena, die bei dem Vorfall verletzt wurde, hatte mehrmals behauptet, vorsätzlich beschossen worden zu sein.

USA waren informiert

Dennoch weisen die Italiener darauf hin, dass die USA über den Aufenthalt Caliparis im Irak informiert gewesen seien, auch wenn sie die Einzelheiten der Operation wahrscheinlich nicht kannten. Die Regierung in Rom hatte das Dossier, in dem viele Seiten zensiert sind, am Montagabend dem US-Botschafter in Italien, Mel Sembler, übergeben. Sie wollte damit auf die US-Version antworten, wonach der Tod des Geheimdienstmitarbeiters "ein tragischer Unfall" war.

Italien und die USA hatten sich auch nach einer gemeinsamen Untersuchung nicht auf eine einvernehmliche Erklärung zum Beschuss des Autos einigen können. Die Darstellung der Amerikaner, wonach die US-Soldaten bei dem Beschuss korrekt gehandelt hätten und sie keine Schuld trifft, sorgte in Italien für Empörung. Um eine diplomatische Krise zu vermeiden, will Premier Silvio Berlusconi die Angelegenheit persönlich mit US-Präsident George W. Bush besprechen. Zudem kündigte er an, am Donnerstag im Parlament über den Fall berichten zu wollen. (APA/dpa)

Share if you care.