El Baradei warnt den Iran vor erneuter Uran-Anreicherung

27. Mai 2005, 16:59
3 Postings

Einmonatige Konferenz über Atomwaffensperr-Vertrag begonnen - Tauglichkeit des 35 Jahre alten Paktes soll abgeklopft werden

New York - Begleitet von der Debatte über das iranische Atomprogramm hat am Montag in New York eine einmonatige Konferenz über den Atomwaffensperrvertrag begonnen. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohamed El Baradei, appellierte an den Iran, nicht wie angedroht, die Anreicherung von Uran wieder aufzunehmen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Staatschefs der Welt auf, den Atomwaffensperrvertrag mit Leben zu erfüllen. Die Konferenz soll den Erfolg des 35 Jahre alten Vertrages überprüfen, dessen Ziel es ist, die Weiterverbreitung nuklearer Waffen zu verhindern.

Er hoffe, dass der Iran nicht einseitige Entscheidung über Aktivitäten treffe, die derzeit ausgesetzt seien, sagte El Baradei nach einem Treffen mit dem iranischen Außenminister Kamal Kharrazi. Die Regierung in Teheran hatte am Samstag erklärt, nach dem Ausbleiben einer Einigung mit den Europäern im Atomstreit erwäge sie, die Uran-Anreicherung wieder aufzunehmen. Die EU teilt die Sorgen der USA, dass der Iran an der Entwicklung von Atomwaffen arbeiten könnte. Sie hat dem Iran wirtschaftliches und politisches Entgegenkommen zugesagt, sollte das Land sein atomares Brennstoffprogramm einstellen.

Annan sagte, die Staaten hätten zwar das Recht, die Atomenergie friedlich zu nutzen. Sie dürften jedoch nicht darauf bestehen, dies mit der Entwicklung von Kapazitäten zu verbinden, die zum Bau von Atomwaffen eingesetzt werden könnten. Zu Beginn der Konferenz hatte Annan die Teilnehmer aufgerufen, sich die Auswirkungen einer atomaren Katastrophe vor Augen zu führen. "Zehntausende, wenn nicht hunderttausende Menschen würden sofort getötet und viele weitere würden durch radioaktive Verstrahlung sterben".

Uran kann je nach Anreicherungsgrad neben der Energieerzeugung auch für den Bau von Atomwaffen verwendet werden. Der Iran hat stets betont, sein Atomprogramm diene ausschließlich der Energiegewinnung. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer sagte, wichtig sei, dass die Gespräche fortgesetzt würden. Grundlage sei jedoch, dass das Anreicherungsprogramm ausgesetzt bleibe.

Kritik und Forderungen

Im Vorfeld der Konferenz waren die unterschiedlichen Interessen der Teilnehmerstaaten zu Tage getreten. Die USA wollen vor allem über das Atomprogramm des Iran und Nordkoreas sprechen. Dagegen kritisieren andere Vertragsstaaten, dass die offiziellen Atommächte selbst, vor allem die USA und Russland, zu wenig zur Auflösung ihrer eigenen Atomwaffenarsenale unternehmen.

Laut Vertrag ist es neben den USA und Russland lediglich Großbritannien, Frankreich und China gestattet, Atomwaffen zu besitzen. Auch Indien und Pakistan verfügen über Atomwaffen, von Israel wird es angenommen. Alle drei Staaten haben den Vertrag aber nicht unterzeichnet. Nordkorea hat erklärt, über Atomwaffen zu verfügen und ist aus dem Vertrag ausgetreten. (APA/Reuters)

Zum Thema

Iran

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohamed El Baradei, sprach zur Eröffnung der einmonatigen Konferenz über den Atomwaffensperr-Vertrag.

Share if you care.