Dänische Soldaten bestreiten Gefangenenmisshandlung

4. Mai 2005, 14:07
posten

Reserveoffizierin erhielt angeblich keine Anweisungen

Kopenhagen - Eine wegen der Misshandlung irakischer Gefangener angeklagte dänische Soldatin und vier mitangeklagte Militärpolizisten haben vor Gericht jegliche Schuld bestritten. Seine Mandantin habe "in keinster Weise an irgendeiner Form von Folter oder Misshandlung" teilgenommen, sagte der Anwalt der 37-jährigen Reserveoffizierin Annemette Hommel, Ebbe Mogensen, laut der Zeitung "Jyllands Posten" am Montag vor dem Bezirksgericht in Kopenhagen.

Die Angeklagte selbst erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur Ritzau, sie habe nichts von einer Direktive gewusst, die das dänische Militär nach eigenen Angaben im Oktober 2003 ausgegeben hatte. In der Direktive erteilte die Armee Anweisungen zur Anwendung von Gewalt durch dänische Soldaten im Irak.

Forderung nach Schadenersatz

Hommel forderte Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 27.000 Euro, weil sie bei ihrer Entlassung aus der Armee im vergangenen Sommer nicht angehört worden war. Die Reserveoffizierin soll laut Anklage auf dem Militärstützpunkt Camp Eden nahe dem südirakischen Basra Gefangene gezwungen haben, sich bei langen Verhören hinzuknien.

Ferner soll sie ihnen verweigert haben zu essen, zu trinken oder auf die Toilette zu gehen. Der Anklageschrift zufolge beleidigte Hommel Gefangene in einer "besonders für Moslems erniedrigenden Weise". Sie habe sie etwa als "Schweine" oder "Hunde" beschimpft und zu einem Gefangenen gesagt: "Wir bringen dich vielleicht um".

Die vier mitangeklagten Militärpolizisten, deren Namen nicht bekannt gegeben wurden, sollen ähnliche Taten wie Hommel begangen haben. Einer von ihnen soll einen Gefangenen gezwungen haben, eine Nacht ohne Bettdecke im Freien zu verbringen. Zwei weitere sollen einen Häftling zu einem Verhörzelt geschleift haben, wo er mit heruntergerutschter Hose eintraf.

Das Verfahren findet nach den Regeln des dänischen Militärs statt, aber lediglich der Ankläger ist Soldat. Richter und Verteidiger sind Zivilisten. Mit einem Urteil in dem Verfahren wird erst im Dezember gerechnet. (APA)

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