USA: Fettleibigkeit kein schichtspezifisches Problem (mehr)

7. Mai 2005, 19:00
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Lange Zeit vor allem ärmere Bevölkerungsschichten betroffen - inzwischen holen die Besserverdiener auf

Washington - Die Aussage mancher Fachleute, dass Übergewicht und Fettsucht ein Problem der Armen wären, stimmt in den Vereinigten Staaten nicht (mehr). Fettleibigkeit war in den USA lange Zeit vor allem ein Problem der ärmeren Bevölkerungsschichten. Jetzt holen auch Amerikaner mit höherem Einkommen kräftig auf, wie eine am Montag in Washington vorgestellte Studie der Universität von Iowa herausfand. Drei Mal schneller breitet sich die Fettleibigkeit unter US-Bürgern mit über 60.000 Dollar (46.000 Euro) Jahreseinkommen im Vergleich zu niedrigeren Einkommensschichten aus.

2002 waren 26,8 Prozent der Menschen mit höherem Einkommen fettleibig, in den 70er Jahren waren es nur rund 10 Prozent. Jeder Dritte mit einem Einkommen unter 25.000 Dollar (19.000 Euro) ist heute fettleibig, 1970 war es mit 22,5 Prozent nur ungefähr jeder Fünfte.

Versorgungsproblem

Frische Produkte sind in den USA wesentlich teurer als Fast Food, außerdem ist vor allem in ärmeren Nachbarschaften gesunde Kost schlecht erhältlich. Auf Grund dessen galten jahrelang die Armen als gefährdet. Die Leiterin der Studie, Jennifer Robinson, hält die langen Arbeitswege, die zunehmende Beliebtheit von Restaurants und längere Arbeitszeiten für mögliche Faktoren der verbreiteten Fettsucht unter den reicheren Amerikanern.

Adam Drewnowski von der Universität in Washington hält der Studie vor, extreme Fettleibigkeit, 40 bis 45 Kilogramm Übergewicht oder mehr, nicht berücksichtig zu haben. Des Weiteren findet er den Vergleich von Einkommen und Fettleibigkeit auf Grund kultureller Faktoren schwierig. So stehe in manchen Gruppen der Leibesumfang für Erfolg. Die Studie zeige lediglich, "dass Fettleibigkeit ein generelles Problem ist und es jetzt so ziemlich jeden betrifft", sagte der Experte. (APA/AP)

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