Wien: Keine Freiheit für "Balkonien"

9. Mai 2005, 17:40
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Nachträglicher Anbau ist meist nicht möglich

Wien - Wer nachträglich vor seiner Wohnung einen Balkon anbringen will, kann sich das meist gleich abschminken. Solche Vorhaben werden meist durch die Wiener Bauordnung zu Fall gebracht. Die Wiener Grünen fordern daher eine Offensive für "Balkonien" als "deutliche Verbesserung der Lebensqualität", wie die grüne Planungssprecherin Sabine Gretner erläutert. "Gerade wenn man die ständige Abwanderung ins Umland beklagt, wären solche Investitionen ein wichtiger Anreiz."

Gretner ist überzeugt, dass sich einfach "noch niemand die Bauordnung dahingehend angeschaut hat". Unverständlich sei etwa, dass Balkone generell nicht straßenseitig errichtet werden dürfen.

Andere Lösungen

Andere Lösungen sind sehr wohl möglich: Wenn man etwa sagt, man hängt für den Sommer große Blumenkisterln ans Fenster - so etwas kennt die Bauordnung nicht. "Auf diese Kisterlhalter könnte man sich rauslegen - aber das ist natürlich keine wirkliche Lösung und nicht ganz ungefährlich", betont Gretner. Eine andere Möglichkeit wäre es, das neue Teil an der Wand als "horizontale Unterteilung" und also als "Gesimse" zu definieren. Das geht. Aber Balkon? Nie im Leben.

Auch im Neubau werden Balkone oder Terrassen nicht gefördert - weshalb meist Loggien errichtet werden, die sehr wohl wohnbauförderungswürdig, aber dunkler sind. Wichtig wären für Gretner Anreize für Hauseigentümer - ähnlich wie die Förderung für Innenhofbegrünung. "Auch die thermische Sanierung von Wohnhäusern wird gefördert. Die Verbesserung der Lebensqualität aber nicht", vergleicht die Planungssprecherin. (frei, DER STANDARD – Printausgabe,03.05.2005)

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