"Leidensgeschichte" CA-Privatisierung

20. Mai 2005, 16:46
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Übernahmecoup hätte 1997 beinahe die große Koalition gesprengt - Ex-Finanzminister Lacina erinnert sich

Wien - Die CA-Privatisierung, 1991 beschlossen, ist eine Geschichte von Pannen, Flops und einem Übernahmecoup, der 1997 fast die große Koalition gesprengt hätte. Sie dauerte drei Finanzminister lang (Ferdinand Lacina, Andreas Staribacher, Viktor Klima) - obwohl lange zuvor "politisch abgesprochen war, dass der Z-Länderbank-Lösung eine bürgerliche CA-Lösung gegenüber gestellt wird", erinnert sich Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina an die "ziemlich lange Leidensgeschichte".

In deren Verlauf sei "eine Reihe von Interessenten angetanzt", an erster Stelle: Raiffeisen. Lacinas erbarmungsloser Rückblick: "Raiffeisen sprach von einem anonymen Partner, wollte kein Geld in die Hand nehmen und hat mir eine totale Nichtlösung präsentiert." Der damalige CA-Chef Guido Schmidt-Chiari "wollte am liebsten keinen Eigentümer, also viele kleine Aktionäre". Weitere Interessenten: der angloasiatische Finanzriese HSBC, die deutsche Allianz, die Schweizer Crédit Suisse. "Ich hätte das als gute Streuung gegenüber deutschem Kapital in Österreich empfunden. Die Schweizer hat die CA-Position im Osten interessiert, aber sie waren unerwünscht. Ich habe ihren Rückzug mit beachtlichem Bedauern zur Kenntnis genommen."

"Ein ständiges Hin und Her"

Auch der Kaufversuch des bürgerlichen, "österreichischen" Konsortiums (Erste Oesterreichische, italienische Generali, Industrielle) ging kräftig schief. "Es war ein ständiges Hin und Her, das Konsortium hat sich ständig neu zusammengesetzt. Klar war damals nur eines: Dass sie die CA weit unter ihrem Wert erwerben wollten." Kurzum: "Die Bürgerlichen haben die CA absolut vergeigt. "

Gewonnen hat Bank-Austria-Chef Gerhard Randa, der die "monetäre Visitenkarte des Landes" (Hannes Androsch) um heutige 120 Mio. Euro ins Tascherl der "roten" BA steckte. Lacinas Bewertung: "Das war ein politischer Tabubruch. Mich hat das damals sehr überrascht." (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2005)

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