Das Feuer und das schwarze Kind

4. Mai 2005, 16:00
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Wahlkampf im Burgenland, Thema: Bank

Eisenstadt - Das Burgenland hat sich angeschickt, von der Phase des Wahlkampfs in die des Intensivwahlkampfes einzutreten. Der Anlass dazu ist - erraten - die Bank Burgenland, in deren Verkaufsprozess sich der Büroleiter des Landeshauptmanns sehr persönlich gemengt - ÖVP, Grüne und Freiheitliche meinen: verstrickt - hat.

Die intensiven Wahlkampftöne konnte man in der Landtagssitzung der vergangenen Woche genießen. Am erstaunlichsten daran war, wieder einmal, der oppositionelle Ton der ÖVP, der seit einiger Zeit schon ihre Mitregierungsmusik macht. Ihr designierter Klubobmann Rudolf Strommer fragte gar: "Leben wir in einem Rechtsstaat, wo es klare Strukturen gibt, wer für den Verkauf der Bank Burgenland zuständig ist?" Der blaue Klubobmann Manfred Kölly meinte: "Irgendwann reicht es." Dem aber hielt der rote Klubobmann, Christian Illedits, fragend entgegen: "Worum geht es Ihnen? Geht's Ihnen um Wahlen?"

Während ÖVP und FPÖ - Orange gibt es ja noch nicht im Burgenland - solcherart ihre traditionellen Wahlkampfmuskeln strecken, haben sich die Grünen zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres an die mühsame oppositionelle Arbeit gemacht. Gezählte 100 Fragen stellte Parteichefin Grete Krojer in der Causa "LH-Büroleiter" der gesamten Landesregierung. Die Fragen sind so detailliert und allfällige Ausweichmanöver so vorwegnehmend, dass die Landesregierung die zur Beantwortung zur Verfügung stehenden sechs Wochen wohl wirklich brauchen wird.

Danach erst wird sich entscheiden, ob auch dieser Wahlkampf - wahrscheinlicher Wahltermin ist Anfang bis Mitte Oktober -, wie der letzte im Jahr 2000, mit einem bankbezüglichen Untersuchungsausschuss gezündet werden wird. Die Mehrheit dafür gäbe es mit Schwarz, Grün und Blau.

Allerdings gibt's auch ein Feuer. Und das schwarze Kind, das sich schon einmal daran ordentlich die Finger verbrannt hat. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.05.2005)

Von Wolfgang Weisgram
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