Der lärmende Atem der Ewigkeit

2. Mai 2005, 20:24
posten

Stimmige Tableau vivant: "Jokebox" von der Truppe des "Teddybösen Theater" im dietheater Künstlerhaus

Sieben Protagonisten - vier Männer und drei Frauen, gespielt von fünf Frauen und zwei Männern: Kaum sind die Rechnereien um die Besetzung von Jokebox (Teddyböses Theater) abgeschlossen, schon hat sich der schützende Vorhang abrupt entfernt, und man findet sich am gastronomisch angehauchten Ort der rastlosen Ewigkeit wieder. Dessen Bevölkerung muss vor Zeiten über die steile, von stotternden Bildschirmen flankierte Bühnenrampe (Renato Sobotta) gekollert sein.

Das heißt aber nicht, dass die solchermaßen gestrandeten Persönlichkeiten, ewig Gestrige, unaufhörlich Suchende und repetitiv Strauchelnde, sich der Resignation hingeben würden. Vielmehr kämpfen sie aktionsgewaltig um Existenzberechtigung. So wettert Phillipa Galli als zornig zweifelnder bis lüsterner Greis in Reimen und bedient so die Sprachmechanismen, die etwas hervorheben wollen und doch nichts zu sagen haben. Das Röschen (bemerkenswert facettenreich: Barbara Horvath) versucht kämpferisch ihr Leben in Ordnung zu halten, um schließlich doch wieder im Chaos des Nichts zu landen.

Die Ausweglosigkeit hat Regisseur und Autor Thomas Kamper am besten in die kleinen dastellerischen und sprachlichen Details verpackt. Das solcherart stimmige Tableau vivant wird nur manchmal durch Auswüchse ins allzu Absurde unterbrochen. (pet/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2005)

dietheater, 1., Karlsplatz 5,
(01) 587 05 04
2.-5./9.-14. 5.
jweils 20.00
  • Krizzfader (vorne), Barbara Horvath (links) und Elisabeth Prohaska bevölkern die Ewigkeit.
    foto: beast/jokebox

    Krizzfader (vorne), Barbara Horvath (links) und Elisabeth Prohaska bevölkern die Ewigkeit.

Share if you care.