Opernwelt auf dem Mond

2. Mai 2005, 20:29
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Haydns "Il Mondo della Luna" am Grazer Institut für Weltraumforschung

Freie Opernproduzenten haben's nicht immer leicht, vor allem was die Spielstätten anbelangt. Aus der Not eine Tugend macht dabei die Grazer Kammeroper. Denn wo feste Opernhäuser ihr eigenes Bühnenbild entwerfen, da suchen sich Thomas Platzgummer als musikalischer und Wolfgang Atzenhofer als szenischer Leiter die jeweils zum Werk passenden Räume. So geschehen auch bei Haydns "Il Mondo della Luna" , einem raffinierten Spiel zwischen Sciencefiction, Generationenkonflikt und Spottbild einer vermeintlich idealen Gesellschaft.

So wurde das Grazer Institut für Weltraumforschung zur Bühne, der dortige Lift zum Fernrohr und das Treppenhaus zum Auftrittsgang. Hinsichtlich der szenischen Deutung ging Atzenhofer verschiedene parallele Wege. Da war der zu Beginn hervorgehobene Aspekt der Mondreise als Drogentrip. Dann die schön gezeichnete Beziehungskrise zwischen Vater (köstlich Andreas Jankowitsch als einfältiger Buonafede) und Töchtern. Und dann natürlich die durch Buntheit und Bewegung gekennzeichneten komischen Element. All das spielt in einer unterhaltsamen Bühnensprache, verliert sich aber etwas in den vielen kleinen Details.

Ähnliches gilt fürs Musikalische: Das Il Concerto Tivoli leidet an der Akustik ebenso wie an Intonationsschwierigkeiten, spielt aber mit Verve und feiner Phrasierung. (spou/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2005)

Infos: 0316/83 02 55.
4., 21., 22. Mai, 19.30
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