Lehrerausbildung neu: Schilda lässt grüßen

22. März 2006, 16:06
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Universitäts-Angehörige protestieren gegen die Reformpläne der Zukunftskommission - sie fordern den Verbleib der Lehrerausbildung an den Unis. Ein Kommentar der anderen

Das fachliche Können der Lehrkräfte ist für die Schulqualität eines Landes von entscheidender Bedeutung. Umso alarmierender finden wir den Endbericht der Zukunftskommission. Deren Vorschläge zur Ausbildung der Lehrer/innen stellen einen eklatanten Rückschritt dar. Die Kommission verlangt eine gemeinsame pädagogische Grundausbildung (Bachelor) an den neu zu schaffenden Pädagogischen Hochschulen. Darauf folgen Magisterstudien für Kindergarten, Grundschule, Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) sowie Oberstufe an den Unis.

Erstens verblüfft, dass - gegen den EU-Trend - die Lehramtsausbildung noch stärker als bisher auf verschiedene Institutionen aufgeteilt wird. In Europa ist die Lehrerausbildung meist Sache der Universitäten. Statt sich diesem Standard anzugleichen, sollen eigene Pädagogische Hochschulen eingerichtet werden, die aber nur einen ersten Teil der Ausbildung abdecken. Künftig müssen alle Studierenden an zwei verschiedenen Institutionen studieren. Dass das eine problematische Konstruktion ist, geben die Autoren des Berichts auch indirekt zu, wenn sie immer wieder die Notwendigkeit der Kooperation beschwören.

Zweitens erfolgt die pädagogische und didaktische Ausbildung nicht nur getrennt von der fachlichen, sondern auch vorher und völlig unabhängig von ihr. Wie aber soll man sein Fachwissen über Geschichte des Altertums, Biologie oder moderne Literatur didaktisch sinnvoll anwenden lernen, wenn man zuerst Didaktik als "abstrakte Kunst" lernt und sich erst Jahre später mit den fachlichen Inhalten beschäftigen darf?

Und sogar im Magisterstudium soll man nun nicht mehr Fächer studieren, sondern "Fächerbündel" wie Naturwissenschaften oder Kulturwissenschaften usw. Damit werde angeblich fächerübergreifendes Arbeiten "erleichtert". Als ob Interdisziplinarität nicht auf einem gründlichen Fachwissen aufbauen, sondern erst durch dessen Fehlen ermöglicht würde! Diese Reform schafft außerdem die Gymnasien als Langform auf kaltem Wege ab. Denn in der Unterstufe unterrichten ab nun Lehrer/innen, die nicht für die Oberstufe ausgebildet sind und umgekehrt.

Die Vorschläge der Kommission gehen an den wirklichen Bedürfnissen vorbei. Es wird eine fachlich entleerte "pädagogische" Ausbildung als Fundament kreiert, während das notwendige Orientierungswissen auf der Strecke bleibt. Aber genau dieses Orientierungswissen wird benötigt, um sich sinnvoll weiter zu bilden, selbst Lehrpläne zu entwickeln und den Unterricht "autonom" zu gestalten. Nach all den bisherigen Erfahrungen kann dies nur eine Universität bieten.

Wir, die Unterzeichneten, die wir seit Jahren Lehrkräfte auf hohem Niveau ausbilden, appellieren an die politisch Verantwortlichen: Schaffen Sie, nach EU-Vorbild eine Ausbildung für alle Lehrer/Innen an den Universitäten, die mit ihren Instituten für Pädagogik und dem breiten Angebot an Pflicht-, Wahl-und Freifächern bestens dafür gerüstet sind. Die Pädagogischen Akademien könnten in die universitäre Lehrer/innenausbildung integriert werden. Ihr reiches praktisches Wissen würde auf diese Weise am besten mit dem Uni-Angebot verbunden werden. (DER STANDARD-Printausgabe, 3.5.2005)

Von Ao. Univ.-Prof. Dr. Hubert Lengauer, Dr. Eva Rastner, ao. Univ.-Prof. Dr. Werner Wintersteiner (alle Universität Klagenfurt), Dr. Ulrike Tanzer (Universität Salzburg)
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