ITER-"Einigung": Doch zu früh gefreut?

17. Mai 2005, 12:23
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Japan hält an seiner Bewerbung fest und ärgert sich über "unangemessene" Bemerkung Chiracs

Tokio - Japan hält an seiner Bewerbung für das internationale Milliardenprojekt eines Atom-Fusionsreaktors (ITER) fest. Die Entscheidung über den Standort sei noch nicht gefallen, "wir sind mitten in den Verhandlungen", sagte der zuständige Abteilungsleiter im Tokioter Wissenschaftsministerium, Toichi Sakata.

Rüge an die Adresse Chiracs

Angaben des französischen Präsidenten Jacques Chirac vom Dienstag, wonach der ITER im südfranzösischen Cadarache und nicht im japanischen Rokkasho-Mura angesiedelt werden solle, nannte Sakata "unangemessen". Das Projekt mit geplanten Investitionen von zehn Milliarden Euro ist auf 30 Jahre angelegt.

Chiracs Bemerkung sei "einseitig" und werde "mit Sicherheit keine positiven Auswirkungen auf die derzeitigen Verhandlungen haben", sagte Sakata. Möglicherweise werde das japanische Außenministerium offiziell dagegen protestieren. In der japanischen Regierung gibt es gegensätzliche Ansichten zum ITER. Während das Wissenschaftsministerium die Kandidatur von Rokkasho-Mura gegen Cadarache hochhält, weisen Finanz- und Wirtschaftsministerium auf die hohen Kosten hin. Das Land, das den Zuschlag für den Forschungsreaktor erhält, soll 50 Prozent der Baukosten von 4,6 Milliarden Euro tragen.

Hintergrund

Am ITER-Projekt sind die Europäische Union, Japan, die USA, Russland, China und Südkorea beteiligt. Die Kandidatur Frankreichs wurde bisher außer von der EU auch von Russland und China unterstützt. Am Donnerstag gab Frankreich bekannt, dass eine japanisch-europäische Kommission in Genf ein "technisches Abkommen" über den ITER geschlossen habe. Nach japanischen Zeitungsberichten soll das Land, das den Zuschlag nicht erhält, unter anderem mit Bauaufträgen im Wert von 420 Millionen Euro und mit der Einrichtung eines Forschungszentrums entschädigt werden.

Kernfusion gilt als mögliche Energiequelle der Zukunft. Sie ahmt chemische Vorgänge nach, wie sie auf der Sonne fortwährend ablaufen. Falls sich das Projekt als sicher und wirtschaftlich erweist, würde der ITER eine unerschöpfliche Quelle zur Energiegewinnung erschließen. (APA)

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