Kalifornien: Ende der Flitterwochen für Arnie

6. Mai 2005, 06:54
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Nach zahlreichen Fehltritten sind die Popularitätswerte des "Governators" drastisch gesunken

Die Popularitätswerte von Gouverneur Arnold Schwarzenegger sind drastisch gesunken: Arnie hat sich in den letzten Monaten einige politische Fehltritte geleistet, die kalifornische Wählerschaft reagiert mit wachsender Ernüchterung.

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Eines scheint in diesen Tagen klar: Die Flitterwochen der Kalifornier mit ihrem Gouverneur Arnold Schwarzenegger, die relativ lange gedauert haben, sind nun zu Ende. Arnies Popularität ist innerhalb weniger Monate drastisch gesunken: Laut einer Umfrage des Public Policy Institute steht er derzeit auf 40 Prozent – verglichen mit 60 Prozent zu Beginn des Jahres. Eine weitere Umfrage sieht ihn ebenfalls deutlich unter 50 Prozent.

Zuletzt hat der "Governator" nicht nur viele Amerikaner, sondern auch die Regierung von Mexiko vor den Kopf gestoßen, als er sich öffentlich in Lob für das so genannte "Minuteman Project" erging. Es handelt sich dabei um eine kontroversielle Aktion in Arizona an der Grenze zu Mexiko, bei der private Patrouillen illegale mexikanische Einwanderer am Betreten des Landes hindern.

Schwarzenegger bezeichnete diese Bewegung, die von Präsident George W. Bush in die Nähe der Selbstjustiz gerückt wurde, als "fantastisch". Vor und während der amerikanischen Revolution im? 18. Jahrhundert waren die "Minutemen" Teil spezieller Milizgruppen, die dafür ausgebildet waren, in Minutenschnelle zum Schutz der Bürger in Aktion zu treten. Die mexikanische Regierung gab ein Statement heraus, wonach Schwarzeneggers Bemerkungen nicht geeignet seien, ein besseres Verständnis zwischen Kalifornien und Mexiko herzustellen.

Momentan glücklos

Die Minuteman-Episode ist nur der jüngste Fehltritt des momentan glücklosen Republikaners, der sich von Art Torres, dem Vorsitzenden der Demokraten in Kalifornien. auch sogleich seine Herkunft vorhalten lassen musste: "Wir brauche keinen österreichischen Minuteman."

Schon vergangenes Jahr hatte Schwarzenegger Schlagzeilen gemacht, als er zögerliche Demokraten als "girlie men" bezeichnete. Doch waren die Kalifornier damals offenbar noch mehr geneigt, ihm solche Ausritte nachzusehen. Dieses Jahr verärgerte er die Gewerkschaften mit seinen Reformplänen ("action, action, action") und Budgetkürzungen, u. a. bei Krankenschwestern und -pflegern, Lehrern und Feuerwehrleuten.

Vor dem Kapitol in Sacramento fanden bereits einige Protestkundgebungen statt. "Sie nennen mich grausam und herzlos", wunderte sich Schwarzenegger öffentlich. Sein einstiger Schwur, er werde einfach die Bürger abstimmen lassen, wenn sich seine politischen Gegner seinen Plänen widersetzen, könnte sich nun angesichts der niedrigen Umfragewerte als leere Drohung herausstellen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2005)

Susi Schneider aus New York

Nachlese

Schwarzenegger verärgert Mexiko
Gouverneur voll des Lobes für private Patrouillen, die Einwanderer ausspähen: "Fantastisch"

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    "Sie nennen mich grausam und herzlos": Eine Gruppe von Krankenschwestern protestiert in San Francisco gegen die Reformpläne von Gouverneur Schwarzenegger.

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