Symposium: Besetzte Bilder 1945-1955

2. Mai 2005, 17:19
posten

Filme und Diskussion zu Bildern und Mythen der Besatzungszeit

Die filmischen Mythen und Bildikonen der Besatzungszeit und des Kalten Krieges leben bis heute in unserem historischen Bildgedächtnis weiter. Der Analyse der Bildquellen und der Diskussion um ihre Wirkungsweise ist das Symposium "Besetzte Bilder 1945-1955" gewidmet.

11. Mai 13.30 Begrüßung, Vorstellung des Buchprojekts „Besetzte Bilder. Film, Kultur und Propaganda in Österreich 1945-1955“ (Karin Moser).

14.00-15.40 Filmische Identitäten – Die Selbstdarstellung Österreichs im Film und in der Wochenschau Moderation: Karin Moser

  • Vortrag Ines Steiner – Österreichische Selbstprojektionen im Spielfilm der Nachkriegszeit
  • Vortrag Heidemarie Uhl – Politische und identitätsstiftende Mythen – der Bilderkanon der Austria Wochenschau

    16.00-18.00 Avantgardefilm Moderation: Thomas Ballhausen Impulsreferat Thomas Ballhausen: "Leitlinien"

  • Vortrag Maria Fritsche – Guess who’s back... Die Überwindung der Männlichkeitskrise im österreichischen Nachkriegsfilm
  • Vortrag Juliane Vogel – Sonne halt! 12. Mai 13.00-14.40 Reeducation/Reorientation und Opfermythos – Die filmische Aufarbeitung des Themas „Nationalsozialismus“ im Nachkriegsfilm Moderation: Peter Grabher
  • Vortrag Christoph Brecht – Nationalsozialismus als Anti-Thema im österreichischen Spielfilm 1945-1955?
  • Vortrag Thomas Tode – „Reeducation – Filmische Umerziehung“

    15.00-16.40 Der Kalte Krieg auf der Leinwand Moderation: Gernot Heiß

  • Vortrag Verena Moritz - Kino der Angst. Feindbilder und Bedrohungsszenarien des frühen Kalten Krieges
  • Vortrag Siegfried Beer – Spionage im Film – der schmale Grat zwischen Realität und Fiktion

    17.00-18.30 Abschlussdiskussion: Bilder und Mythen der Besatzungszeit. Konstruierte Selbst- und Fremdbilder der Zweiten Republik und des frühen Kalten Krieges. Moderation Gerhard Jagschitz

  • Impulsreferat: Hannes Leidinger
  • Teilnehmer: Maria Fritsche, Verena Moritz, Wolfgang Müller, Ines Steiner, Frank Stern

    ***

    Im Jubiläumsjahr 2005 erinnert man mit Ausstellungen, Festveranstaltungen und zahlreichen ORF-Dokumentationen an die Jahre 1945-1955. Filmmaterial aus diesen Jahren dient dabei zur "Bebilderung" des Zeitgeschehens. Bevorzugt werden Bildikonen eingesetzt - wie die tanzende Österreicher und Sowjets vor dem Parlament oder Leopold Figl, der den jubelnden Massen vor dem Schloss Belvedere den Staatsvertrag präsentiert. Doch die uns wieder und wieder vorgeführten Bilder werden kaum auf Intention und Inhalt hinterfragt und überprüft.

    Die Filme der Jahre 1945-1955 dokumentieren politische, gesellschaftliche und künstlerische Umbruchprozesse der Nachkriegszeit. Österreich war nach 1945 gefordert, sich neu zu positionieren. Das vermeintliche “Opfer“ Österreich baute eine mythenbesetzte Identität auf. Der musikalischen und historischen Vergangenheit wurde opulent gefrönt, Heimatverbundenheit und katholische Tradition im ständestaatlichen Stil wieder aufgegriffen. Den "wahren österreichischen Helden" – den Heimkehrern, die gemeinsam mit den Daheimgebliebenen das neue/alte Österreich wieder aufbauten - wurden filmische Denkmäler gesetzt.

    Das Gedenken oder gar die Ehrung der Opfer der Nationalsozialismus fand dagegen weniger Widerhall im österreichischen Filmschaffen von 1945-1955. Und doch gab es eine langsam aufbrechende Gegenbewegung. Die neuerwachende österreichische Avantgarde und ein ambitioniertes Filmschaffen abseits des Konsenskurses setzten dem geschönten heimatlichen Ideal sozialkritische Positionen und entlarvende Bilder entgegen.

    "Umdenken und Neuorientieren" im Sinne einer Entnazifizierung Österreichs, wie sie sich v.a. in den Reeducation-Filmen ausdrückte, war nur in der Frühphase Teil der alliierten Planung. Bald erschien es wichtiger, die Österreicher als Verbündete gegen den politischen Feind zu gewinnen. Der Kalte Krieg eröffnete ein neues Kapitel der Welt- und der Filmgeschichte. "Das Kino der Angst", der Spionage und Denunziation hielt Einzug und ließ die überzeichneten feindlichen Gegenwelten bewusst werden.

    Die filmischen Mythen und Bildikonen der Besatzungszeit und des Kalten Krieges leben bis heute in unserem historischen Bildgedächtnis weiter. Der Analyse der Bildquellen und der Diskussion um ihre Wirkungsweise ist das Symposium gewidmet.

    Im Rahmen der Veranstaltung wird die Buchpublikation Besetzte Bilder. Film. Kultur und Propaganda in Österreich 1945-1955 vorgestellt. Der Sammelband bietet erstmals eine umfassende Darstellung der Film- und Medienpropaganda während der österreichischen Besatzungszeit. (red)

  • 11.-12. Mai 2005

    Metro Kino
    Johannesgasse 4
    1010 Wien

    Share if you care.