Bitterer Tag für Werner Schlager

9. Mai 2005, 14:20
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Titelverteidiger verlor bereits in der zweiten Runde - Auch im Doppel mit Jindrak Out - Harte Kritik: "Kann diese WM nicht ernst nehmen"

Shanghai - Werner Schlager darf sich nur noch bis Freitag Weltmeister nennen, dann findet das Einzel-Finale der WM in Shanghai statt. Der Titelverteidiger verlor am Montag bereits in Runde zwei, der Spanier He Zhi Wen gab ihm mit 3:4 das Nachsehen. Ebenso knapp verlor Chen Weixing gegen Li Ching aus Hongkong.

Guter Anfang, katastrophales Finish

Es war wie ein Paukenschlag, der durch das Gymnasium Shanghai ging. Schlager gab seinen letzten Einzel-Punkt als Weltmeister ab und sofort richtete sich das Interesse auf seinen Court. Ein Blitzlicht-Gewitter der Fotografen ging über den 32-Jährigen herab, die 48. Individual-WM hatte seine erste Sensation. Dabei hatte dieses Match für Schlager so gut angefangen, schien der Sieg nur noch Formsache zu sein.

Schlager wirkte ruhiger als in seinen vorherigen Partien, als er ständig die Bedingungen in der Halle bekrittelt hatte. Dementsprechend spielte er auch, auch wenn He seine 1:0-Satzführung ausglich. Doch dann setzte sich das ÖTTV-Ass mit 3:1 ab. Der fünfte Satz ging zwar knapp verloren, aber bei einer 6:2-Führung im sechsten schien die Partie gelaufen. Von den übrigen 21 Punkten in dieser Partie machte Schlager jedoch nur noch einen (!).

"Ein Resultat hängt aber nicht nur von mir ab"

Es war nicht zu glauben, als Schlager einen Fehler nach dem anderen beging. Er selbst hatte aber eine Erklärung dafür: "Bei 6:2 im sechsten hat He zwei Bälle länger serviert als sonst und ich hab' sie durch den Wind nicht einmal getroffen." Das hat Schlager aus dem Rhythmus gebracht und sein Gegner packte fortan sein bestes Tischtennis aus. Schlager: "Ich habe gegen ihn das erste Mal verloren, aber er hat auch noch nie so gut gespielt."

Besonders enttäuscht wirkte Schlager wenige Minuten nach dem Spiel nicht. Vielmehr schien der Druck des Titelverteidigers von ihm abzufallen. "Ich bin nicht traurig, weil für mich ist das Ergebnis nicht so wichtig. Ich hab' gezeigt, was ich unter diesen Bedingungen kann. Ein Resultat hängt aber nicht nur von mir ab." Und in - leicht übertriebener - Anspielung auf den 43-jährigen (!) He: "Er könnte mein Vater sein, aber mein Vater kann nicht so gut Tischtennis spielen."

Auch im Doppel verloren

Auch im Doppel kam das Aus für die Europameister Schlager/Jindrak verfrüht. Sie waren gegen die starken Niederländer Danny Heister/Trinko Keen bereits 0:3 zurückgelegen, zu mehr als einem 2:4 reichte es jedoch nicht mehr. Jindrak zur Niederlage: "Ich hab' gekämpft, bin aber nicht rein gekommen. Werner hat gut gespielt, war aber nur negativ. Da ist es schwierig, wenn man selber kämpft, ins Match zu kommen." Schlager bekrittelte einmal mehr die klimatischen Verhältnisse in der Haupthalle.

"Ich kann diese WM bei diesen Bedingungen nicht ernst nehmen", meinte der Weltranglisten-Neunte. "Die sind schlechter als bei einer Landesmeisterschaft. Das hat es bei großen Titelkämpfen früher nie gegeben, nur bei Olympia in Athen und hier. Gegen Heister/Keen spielen wir immer knapp, nur jetzt waren wir in unseren Möglichkeiten halt mehr eingeschränkt."

Chen im Einzel out

Chen verabschiedete sich in der Nebenhalle vom Turnier, wobei sein Gegner aus Hongkong wie immer gegen Verteidiger sehr gut spielte. Doch der 33-jährige Stockerauer kämpfte sich nach einem 1:3-Rückstand in Sätzen zurück und hielt auch im Entscheidungssatz mit, verlor in diesem jedoch unglücklich 10:12.(APA)

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    Auch im Doppel mit Karl Jindrak war Endstation.

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