OECD attestiert durchaus üppiges Pensionssystem

5. Mai 2005, 20:56
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SPÖ würde Pensionsreform teils korrigieren

Paris/Wien - SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer gab am Montag ein Versprechen ab: Falls er aus der Oppositions- auf die Regierungsbank wechsle, dann werde er die Pensionsreformen der schwarz-blauen Regierung teilweise zurücknehmen. Sei doch die SPÖ laut Gusenbauer im Pensionsbereich "am meisten" gefordert, weil sich die "neoliberale Offensive" hier am stärksten bemerkbar mache.

Konkret kritisierte Gusenbauer vor allem zwei Teile der Pensionsreform: Die lebenslange Durchrechnungszeit, die vor allem die Pensionen von Frauen entscheidend senken werde. Und die Anrechnung von Teilzeit, die ebenfalls vor allem Frauen treffe. Beides würde die SPÖ "korrigieren" - falls sie an die Regierung komme.

Von Reform überholt

Über kaum einen Bereich des Sozialstaats ist in den vergangenen Jahren so erbittert gestritten worden wie über das Pensionssystem. Gerade angesichts solch hitziger Debatten ist es oft hilfreich, auf Meinungen jenseits der österreichischen Grenzen zu schauen. Auch deshalb wurde der Bericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) über den Vergleich der Pensionssysteme in den Mitgliedstaaten mit Spannung erwartet. Laut dieser am Montag präsentierten Studie hat Österreich ein vergleichsweise üppiges Pensionssystem. Oder hatte: Denn die OECD beruft sich auf Daten aus dem Jahr 2002, also vor der großen Pensionsreform 2003 und vor der Harmonisierung der Pensionssysteme 2004.

In der Studie wurde etwa verglichen, wie viele statistisch durchschnittliche Jahreseinkommen Pensionisten bekommen: Demnach bekamen Österreichs Männer elf und Frauen über 13 durchschnittliche Jahreseinkommen in der Pension (siehe Grafik) - was für ein frühes Pensionsantrittsalter, eine lange Lebenserwartung und ein relativ große Pensionshöhe spricht. Unter den 30 OECD-Staaten gab es nur in Luxemburg, Finnland, Ungarn und Italien Griechenland mehr Jahreseinkommen für Pensionisten. Was das Bild ein wenig verzerrt: In diese Daten sind die Pensionen von Beamten und ASVG-Versicherten einberechnet, die der Beamten sind deutlich höher.

Auch in der Statistik, welches Land die höchsten Nettoersatzraten zahlt, lag Österreich 2002 weit vorne: In allen Einkommenskategorien lag der heimische Pensionswert vor dem OECD-Durchschnitt. Besonders deutlich differiert Österreichs Wert beim Durchschnittseinkommen vom OECD-Durchschnitt: OECD-weit bekommt ein Durchschnittseinkommensbezieher 68 Prozent als Pension - in Österreich 93 Prozent.

Noch mit einem Wert sticht Österreich heraus: Es ist neben Mexiko, Polen, der Türkei und der Schweiz eines der wenigen OECD-Länder, in dem die Pensionen von Frauen signifikant niedriger sind als die der Männer. (eli/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.05.2005)

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    SP-Chef Gusenbauer fordert eine Modernisierung des Sozialstaates.

  • Wert der Pensionen
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