AUA und Flughafen Wien weiter uneinig über dritte Piste

9. Mai 2005, 14:03
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Airline braucht Piste "so rasch wie möglich", beim Flughafen hält man eine Verschiebung für möglich - AUA spart derzeit "wo es geht"

Wien - Die Austrian Airlines Gruppe (AUA) und die Flughafen Wien AG sind weiter uneins über den Bau einer dritten Piste. Entschieden werden soll darüber laut Flughafen Wien allerdings erst im Jahr 2008.

Flughafen Wien-Vorstand Herbert Kaufmann erneuerte am Montag vor Journalisten sein bisheriges Statement, dass der Bau der dritten Piste um etwa zwei bis vier Jahre nach hinten verschoben werden könnte, falls es im Zuge der gewünschten Kooperation mit dem Flughafen Bratislava zu Flugverlagerungen in die Slowakei komme. Sei eine Kapazitätsverlagerung nicht möglich, werde der Bau der dritten Piste auch nicht aufgeschoben.

Sörensen: "So rasch wie möglich"

AUA-Chef Vagn Sörensen hingegen betonte heute erneut, man brauche die dritte Pisten und zwar "so rasch wie möglich". Es gebe derzeit schon in Wien - wie bei allen Hubs - Kapazitätsengpässe, auf die auch die gestiegene Zahl der Verspätungen zurückzuführen sei.

Kaufmann ortet am Flughafen Wien beim Pistensystem selbst keine Kapazitätsengpässe. Engpässe gebe es hingegen bei der Gepäcksortierung und bei den Check-In-Schaltern, wo bereits Erweiterungen in Bau seien, sowie im Luftraum, wo die Austro Control gefragt sei.

Das mit der Anrainerbevölkerung laufende Mediationsverfahren für die dritte Piste soll laut Kaufmann noch vor dem Sommer abgeschlossen werden, dann wird das Verfahren für eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beantragt, das in etwa zweieinhalb Jahre dauert. Damit ist ein Baubeginn frühestens 2007/2008 möglich.

AUA will Verspätungen eindämmen

Die im Vorjahr stark angestiegenen Verspätungen und die Anzahl versäumter Anschlussflüge will die AUA nun mit Hilfe des neuen "Hub Control Center" am Flughafen Wien reduzieren. Damit sollen auch die Kosten der AUA gesenkt werden.

Ein neues umfassendes Sparpaket plane die AUA, die in den ersten drei Monaten des Jahres 2005 einen größeren Verlust eingeflogen hatte als erwartet, aber nicht, sagte Sörensen am Montag zur APA. "Wir sparen derzeit wo es geht", so der AUA-Chef.

Mit den Quartalsergebnissen, die eine Vergrößerung des Verlustes beim Betriebsergebnis (EBIT) von minus 40,7 auf minus 73,6 Mio. Euro auswiesen, sei man naturgemäß "nicht zufrieden". Ein weiteres "groß angelegtes" Sparpaket sei aber nicht geplant. Man versuche jedoch, in den unterschiedlichsten Bereichen - wie etwa bei der Netzoptimierung - die Kosten zu senken, bemerkte Sörensen. Mit 15. Mai hat die AUA zudem den Treibstoffzuschlag für Langstreckenflüge von 17 auf 27 Euro erhöht. Eine Erhöhung darüber hinaus sei nicht geplant, so Sörensen heute.

30 Millionen Euro Kosten durch Verspätungen

Flugstreichungen, Verspätungen und verpasste Anschlussflüge verursachen der AUA direkte jährliche Kosten von rund 30 Mio. Euro, indirekte Kosten u.a. durch Imageschaden usw. nicht eingerechnet, berichtete Sörensen. 2004 war die Zahl der pünktlichen Flüge bei der AUA - u.a. wegen Umbauarbeiten am Flughafen Wien - von 83,7 auf 77,3 Prozent gesunken. Heuer soll die Pünktlichkeitsrate mit Hilfe des HCC wieder auf 83 Prozent und in Folge auf 87 Prozent verbessert werden, kündigte Sörensen an.

Die Flugverlässlichkeit soll von 98,6 Prozent 2004 heuer auf 99,3 Prozent gesteigert werden. Die ersten Monate des Jahres 2005 seien allerdings auf Grund des strengen Winters und massiven Schneefall nicht so gut gelaufen, räumte der Geschäftsleiter des Austrian Flugbetriebs, Christian Fitz, ein. (APA)

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