Polen: Die LPR geht mit Gott in den Wahlkampf

4. Mai 2005, 14:49
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Parteitag der Nationalkatholischen Partei: Schattenkabinett präsentiert - Redner beriefen sich in jedem zweiten Satz auf Gott

Warschau - Die nationalkatholische Liga polnischer Familien (LPR) hat am Wochenende auf einem Sonderparteitag in Warschau den Wahlkampf für die polnischen Parlamentswahlen eingeleitet. Ihr Chef Roman Giertych proklamierte die Gründung einer neuen Republik - ohne Mafia und Großindustrielle. Alle Parteien außer der populistischen Bauernpartei Samoobrona wurden scharf angegriffen. Auch in den anderen Parteien nehmen die Diskussionen über mögliche Koalitionspartner täglich zu.

Die schärfsten Worte gebrauchte der ehemalige radikale Solidarnosc-Aktivist Zygmunt Wrzodak: "Die LPR will die Vierte Republik gründen, aber nicht mit denen, die die Dritte Republik gebaut haben. Nicht mit Agenten, Kommunisten, Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten, nicht mit denen, die Polen gestohlen haben. Unabhängig davon, ob sie jetzt PiS, Bürgerplattform oder Kommunisten heißen."

Gott in jedem zweiten Satz

Die Redner des Parteitages beriefen sich in jedem zweiten Satz auf Gott: "Gott möge uns führen" - "In Gottes Namen müssen wir die Wahlen gewinnen" - "Mit Gottes Hilfe werden wir den Zloty bewahren."

Die LPR stellte ihren Entwurf der neuen Verfassung vor. Die Partei schlägt vor: Primat der Verfassung gegenüber internationalen Verträgen, 6-jährige Amtsperiode von Senat und Präsident, Einführung der Position eines Vizepräsidenten, Reduktion der Abgeordnetenzahl von 460 auf 360. Die LPR will auch den Rat für Geldpolitik und den Nationalen Rat für Hörfunk und Fernsehen liquidieren.

Auf dem Treffen wurde auch die Schattenregierung der LPR präsentiert: Premier: Roman Giertych; Verteidigungsministerium: Zygmunt Wrzodak; Außenministerium: Chef der PZU-Untersuchungskommission Janusz Dobrosz; Wirtschaftsministerium: Dariusz Grabowski,; Familienministerium: die ehemalige Radiosprecherin Maryja Anna Sobecka; Kulturministerium: Jan Maria Jackowski; Bildungsministerium: Zbigniew Jacyna-Onyszkiewicz; Gesundheitsministerium: Waldemar Roszkiewicz.

Vier Ministerien reservierte Giertych für die "verbündete Bauernpartei". Offensichtlich sprach er über die Samoobrona, die als einzige Partei während des Kongresses nicht kritisiert wurde. (APA)

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