Amtswege müssen benutzbar sein

9. Mai 2005, 11:26
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STANDARD-Technologiegespräch über das Entwicklungspotential von E-Government

p>Mit Amtswegen verbinden wenige Menschen etwas Angenehmes. Endlose Korridore, verwirrende Beschilderungen, und Zimmer, in denen Anträge für immer in Bergen von Papier verschwinden und. Glücklich, wer sich so etwas ersparen kann. Mit der Entwicklung von Diensten im Internet, dem E-Government, wächst eine moderne Alternative zum Amtsschimmel heran, die - geht es nach Experten - eines Tages die Norm darstellen wird. Bei den Technologiegesprächen von EC Austria und DER STANDARD vergangene Woche in Graz erörterten Fachleute die Chancen, Vorteile und derzeitigen Schwächen und Entwicklungspotenziale der "elektronischen Verwaltung".

Die Vorteile von E-Government liegen für Gerhard Mayer von der Regionalleitung Steiermark der Telekom Austria auf der Hand. "Es ist die Schnelligkeit, die Transparenz der Vorgänge und natürlich, dass es keine Öffnungszeiten gibt."

Technisch grenzenlos

Dabei stelle sich bald heraus, dass einem Ausbau der Dienste, die auf Gemeinde-und Landesebene im Netz angeboten werden könnten - etwa das Abwickeln von Steuerbelangen oder die Beschaffung von verschiedensten Dokumenten und Bescheiden -, technisch keine Grenzen gesetzt sind. Doch die komplizierten Systeme von Verwaltungsapparaten machen es schwer, einfache und einheitliche Benutzeroberflächen zu entwerfen. Und die seien für die Akzeptanz der virtuellen Amtswege beim Bürger das Wichtigste.

Otto Petrovic, Vorstandsvorsitzender des Internet-Kompetenzzentrums Evolaris und Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Graz, brachte diesen Mangel auf den Punkt. "Es gibt viele tolle Services, die noch nicht benutzt werden, weil sie nicht benutzerfreundliche sind. Ein Produkt ist erst dann benutzbar, wenn es 99 Wege gibt, die funktionieren und nur einen, der nicht funktioniert."

Change-Prozesse

"Neun Bundesländer bieten neun verschiedene Dinge an. Irgendwann muss man die politische Entscheidung treffen, alles zu vereinheitlichen", bemerkte Walter Weihs, der Vorstand der Software AG Österreich. Die Vereinfachung scheitere auch an verschiedenen Grundbedingungen. Der öffentliche Bereich müsse daher in einen Change-Prozess eintreten, den die Wirtschaft schon vollzogen habe.

Obwohl die Internet-Services für Bürger in Österreich im europaweiten Vergleich im Spitzenfeld liegen, lässt ihr Bekanntheitsgrad bei den Usern noch zu wünschen übrig. Peter Reichstädter von der Stabsstelle für die technische Organisation von E-Government im Bundeskanzleramt räumte ein, dass man "spät erkannt hat, wie wenige davon wissen". Noch heuer will man die Öffentlichkeitsarbeit hier verstärken.

Für die nahe Zukunft wünscht sich Reichstädter, "dass das E von E-Government wegfallen wird, weil es selbstverständlich geworden ist, dass mit E-Government immer Government gemeint ist".(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 5. 2005)

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