US-Forscher: WHO unterschätzt Bilharziose-Gefahr

9. Mai 2005, 12:16
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In den Tropen weit verbreitete Erkrankung steht im Schatten von Malaria, HIV und Tuberkulose

London/Cleveland - Forscher der University of Ohio warnen vor der afrikanischen Parasitenerkrankung Bilharziose. Die Folgen dieser durch verunreinigtes Trinkwasser entstehenden Erkrankung, die zu Wurmbefall in den inneren Organen führt, seien von der WHO bei weitem unterschätzt, schreiben die Experten in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "The Lancet".

Bilhaziose - auch Schistosomasis genannt - ist eine in den Tropen weit verbreitete Erkrankung, deren Auftreten vom Vorkommen der als Zwischenwirte fungierenden, in warmen Binnengewässern lebenden Schnecken abhängig ist. Krankheitserreger sind Pärchenegel, eine ein bis zwei Zentimeter lange Saugwürmergattung. Die Larven dieser Würmer dringen bei Kontakt mit kontaminiertem Wasser durch die Haut des Menschen ein und wandern über Lymph- und Blutgefäße in die Leber, wo sie sich zu reifen Pärchenegeln entwickeln. Anschließend verbreiten sie sich und befallen Harnblase, Darm, Leber, Lunge und Gehirn. Mit Medikamenten ist die Erkrankung recht gut heilbar, allerdings - und das ist das größte Problem - steht sie im Schatten anderer Krankheiten wie Malaria, HIV und Tuberkulose.

Andere Zahlen

Das Forscherteam um Charles King vom Center for Global Health and Diseases in Cleveland, Ohio, hat nun die Belastungen durch diese Erkrankung untersucht. Während die WHO angibt, dass die Behinderung nach Bilharziose nur 0,5 Prozent trifft, kommt King auf Zahlen zwischen zwei und 15 Prozent. Tödlich verläuft die Erkrankung zwar nur selten, aber die Betroffenen leiden an zahlreichen schmerzhaften Symptomen wie Anämie, Durchfälle und Unterernährung und Erschöpfungszuständen. King fordert, dass dieser Erkrankung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Experten wie Lorenzo Savioli von der WHO stimmen den Ausführungen zu.

Andere Fachleute führen eine Steigerung des Erkrankungsrisikos auf landwirtschaftliche Bewässerungsprojekte und Staudammbauten in den Tropen zurück, da auf diese Weise neue Lebensräume für die zwingend notwendigen Zwischenwirte (Schneckenarten) geschaffen werden. Zusätzlich verschärfen mangelnde hygienische Einrichtungen den Entwicklungszyklus der Parasiten. Durch die Zunahme des Ferntourismus nimmt außerdem die Zahl importierter Krankheitsfälle in den Industrieländern ständig zu. (pte)

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