Schwarz-Grün drängt Rot aus Bregenz raus

4. Mai 2005, 16:00
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Die Bregenzer Stadtregierung wird schwarz-grün - Zwei Tage vor der konstituierenden Sitzung schwenkte die VP um und brüskierte die SP

Bregenz - Sommerliche Temperaturen, einen Partner, den man mag und eine Pressekonferenz im Gastgarten, was braucht die Kommunalpolitik mehr? Bürgermeister Markus Linhart (VP) war am zweiten Montag nach der Stichwahl zufrieden: "Ein wunderschöner Tag in jeder Hinsicht." Schließlich galt es den Medien seinen neuen Vize, den grünen Stadtvertreter Gernot Kiermayr, vorzustellen.

Und "über Bregenz hinaus ein Signal zu senden". Das da lautet: "Wir gehen eine enge Kooperation mit den Grünen ein." Nicht nur wegen der "zahlreichen sachlichen Hintergründe", sondern "natürlich auch wegen der Gefühlsebene". Was Linhart an den Grünen so schätzt: "Aus jedem Satz war bei den Verhandlungen zu erkennen, dass bei ihnen Bregenz im Vordergrund steht und nicht Ämter und Posten."

Kiermayr quittierte die Überschwänglichkeit des Stadtchefs mit leisem Lächeln. Die Zusammenarbeit mit der Volkspartei sehe er "als große Chance für positive und nachhaltige Umwelt-, Frauen- und Verkehrspolitik"; die Details des Arbeitsübereinkommens müssten noch verhandelt werden und "dann auch veröffentlicht, damit Transparenz gegeben ist".

Die Sozialdemokraten stellten sich fast zeitgleich den Medien. Michael Ritsch zeigte sich "menschlich sehr enttäuscht". Die Kooperation zwischen VP und SP, die beide vier Sitze im Stadtrat haben, sei am vergangenen Freitag "quasi paktiert" worden. Vom Scheitern erfuhr Ritsch am Montagmorgen aus den Medien. "Bürgermeister Linhart hat uns nicht informiert, Anrufe blieben unbeantwortet." Warum die VP zu den Grünen schwenkte, kann sich Ritsch nicht erklären. "Wir waren uns über die Ressorts einig." Linhart wiederum stieß sich an "vehementen Forderungen" von Ritsch, der "ein repräsentatives Büro und eigene Mitarbeiter" wollte. Ritsch: "Ein entsprechendes Büro war ausverhandelt."

Heute, Dienstag, tritt die Stadtvertretung zur konstituierenden Sitzung zusammen. Vizebürgermeister, Stadträtinnen und Stadträte werden gewählt. Was aber fehlt, ist die Ressortverteilung. Ritsch: "Stadträte zu wählen ohne zu wissen, welche Ressorts sie übernehmen werden - das hat doch die Welt noch nicht gesehen." Was bereits fix ist: Linhart verzichtet auf sein Mandat und übernimmt "die Moderatorenrolle".

Die VP hat in Bregenz 14 von 36 Mandaten, die SP 13, die Grünen haben fünf, FP und "Bregenz denkt" je zwei. Die Gunst der Kleinen will sich Linhart erobern. Die FP ist bereits gewonnen. Werner Karg ist als Stadtparteichef zurück- und als Mitglied ausgetreten. Der "Wilde" erhält von der VP den bezahlten Vorsitz des Hafenausschusses. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.05.2005)

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    Gernot Kiermayr (49, links) wird grüner Vizebürgermeister, Markus Linhart (45, rechts) bleibt schwarzer Stadtchef.

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