Der Papa schreibt Papers und Pläne

2. Mai 2005, 09:16
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Das Forschungszentrum Telekommunikation Wien nützte den Töchtertag, um Mädchen einen Einblick in seine Arbeitsschwerpunkte zu geben

    Sandford Bessler erklärte seiner Tochter Miriam, was er den Tag über treibt, und Sascha Aumüller hat nachgefragt.

STANDARD: Was macht dein Vater eigentlich im Büro?

Miriam: Er schreibt Papers. Und macht Pläne für Telefonie und Internet, glaube ich.

STANDARD: Würden Sie Ihren Beruf auch so beschreiben?

Bessler: Ich bin Telekommunikationsspezialist, wir schauen uns die Technologien an, haben hier Mathematiker und Nachrichtentechniker, aber auch Informatiker und versuchen, verschiedene Themen mit der Industrie abzustimmen. Es sind nicht nur die Kinder, die Schwierigkeiten haben, sich unter der Tätigkeit eines Forschers etwas vorstellen zu können, auch unsere Gattinnen und unsere Bekannten tun sich schwer.

STANDARD: Könntest du dir vorstellen, dasselbe zu machen?

Miriam: Ich würde lieber etwas anderes machen, Medizin interessiert mich mehr.

STANDARD: Weißt du, warum es den Töchtertag hier in einem Technologiebetrieb gibt?

Miriam: Vielleicht, weil sich Mädchen nicht so für Technologie interessieren, und hier kann man sich anschauen, wie das alles funktioniert.

STANDARD: Also du glaubst, Mädchen interessieren sich generell nicht für Technologie?

Miriam: Ja, ich glaube, dass das Interesse gering ist.

STANDARD: Welchen Sinn hat der Töchtertag hier im Haus?

Bessler: Das Ganze hat zu tun mit der geringen Anzahl von Frauen in diesen Berufen. Ich halte nichts davon zu behaupten, diese ungleiche Verteilung ließe sich durch mangelndes Talent der Mädchen erklären. Es mag schon sein, dass es auch einfach am Interesse liegt, aber wenn man schon in der Schule mehr mit Geschichte und Literatur zu tun hat, dann steigt das Interesse mehr in diesen Bereichen. Das, was man nicht kennt, bleibt uninteressant.

STANDARD: Bei jeder Station hier im Haus wurde eine Technologie erklärt. Hat irgendeine dein Interesse geweckt?

Miriam: Da gab es diese kleinen Computer, PDA, auf denen wurde alles, was man geschrieben hat, in Sprache umgewandelt, und der Empfänger hat das so erhalten und umgekehrt. Wenn man "Hallo" schreibt, dann sagt der PDA des anderen "Hallo". Das ist eine gute Möglichkeit, zu kommunizieren oder gemeinsam Spiele zu spielen.

STANDARD: Was sollte dein Handy können?

Miriam: Eine Internetverbindung sollte es haben. Ich benutze das Internet regelmäßig vor allem zum Chatten und zum Surfen, mich interessieren Seiten mit Spielen.

STANDARD: Weißt du, wozu das Programm gut ist, mit dem sich dein Vater beschäftigt?

Miriam: Nicht wirklich, ich glaube, man kann auch telefonieren mit dem Internet und eine Kamera anschließen.

Bessler: Es ist ein Programm, mit dem man drei Sachen machen kann: telefonieren über Internet, Voice-Konferenzen aufbauen und Bilderkonferenzen durchführen. Das Gute dabei ist, dass die "Presence" inkludiert ist, das heißt, man sieht gleich, ob jemand anwesend ist oder nicht. Man weiß also, wann man kommunizieren soll und wann nicht. Damit soll die Umständlichkeit des Anrufens und Rückrufens und das Warten auf eine Nachricht aufhören. Ich finde das ganz toll, wenn das in ein oder zwei Jahren auch auf dem Handy funktioniert.

STANDARD: Würdest du das in Anspruch nehmen?

Miriam: Das ist schon wichtig. Da erspart man sich das ständige Hinterlassen von Nachrichten, und meine Freunde können sehen, ob ich erreichbar bin oder nicht.

STANDARD: Wie nützlich findest du die vorgestellten Technologien hier?

Miriam: Ich glaube nicht, dass ich alles brauchen werde, aber es hilft der Forschung. Den Nützlichkeitstest einer Internetseite habe ich interessant gefunden. Wir haben zusehen können, wie jemand mit der Internetseite zurechtkommt, das hat man gleich an der Mimik ablesen können. Es ist oft schwierig zu wissen, wo man hinklicken muss. Auf "unserer" Seite sind zu viele Fenster aufgegangen, und dann waren wieder Sachen in Englisch.

STANDARD: Was würdest du erfinden wollen?

Miriam: Die Möglichkeit, am Handy fernzusehen, aber so, dass es auch funktioniert.

(DER STANDARD, Print, 2.5.2005)

  • Sandford Bessler (im Bild mit Tochter Miriam) glaubt, dass wenig unternommen wird, um Mädchen für Technikberufe zu begeistern.
    foto: standard/regine hendrich
    Sandford Bessler (im Bild mit Tochter Miriam) glaubt, dass wenig unternommen wird, um Mädchen für Technikberufe zu begeistern.
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