Jetzt geht's um alles oder wenig

2. Mai 2005, 22:36
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Heute, 20:15 Uhr, Wiener Stadthalle: Österreich spielt bei der Eishockey-WM gegen Weißrussland um einen Zwischenrunden-Platz

Wien - "Verloren ist verloren." Und deshalb kannst du Markus Peintner, der für Österreich stürmt, tausendmal sagen, dass die Partie gegen Russland nicht entscheidend war. Dass das knappe 2:4 nicht ins Gewicht fällt. Dass auch ein Remis am Samstag nicht weitergeholfen hätte. Weil nämlich so oder so erst heute die Entscheidung darüber fällt, ob sich das Team nach oben (Zwischenrunde) oder unten (Relegation) orientieren kann. Das alles will Peintner, der Stürmer, so knapp nach einer Niederlage nicht hören. "Ich will jedes Match gewinnen", sagt er, und: "Wie oft kriegst du gegen Russland so eine Gelegenheit?"

Moral getankt

Heute und gegen Weißrussland kriegt Peintner, kriegt Österreich die nächste Chance. Sie zu nützen, wäre wichtig. Die Österreicher haben Moral getankt, doch ist auch das Selbstvertrauen der Weißrussen nach dem unglücklichen 1:2 gegen die Slowakei nicht wirklich angeknackst. Weißrussland ist allein schon der Statistik wegen leicht zu favorisieren, Österreich hat von zehn Partien bei einem Remis nur zwei gewonnen.

Die Spielanlage der beiden Teams ist ähnlich, man riskiert eher wenig, stützt sich auf ein Defensivkonzept, hofft auf eine starke Goalie-Leistung. Österreichs Teamchef Herbert Pöck wird wohl erneut Bernd Brückler in den Kasten stellen, der Steirer war gegen Russland Österreichs bester Mann. Weißrusslands Coach Glen Hanlon, der Chefcoach der Washington Capitals, der des NHL-Lockouts wegen nach Minsk übersiedelte, vertraut dem starken Andrej Mezin, der schon die Slowaken verzweifeln ließ. Pöck: "Die Russen haben uns nicht erdrückt, wir haben ihnen mit Fehlern drei Tore ermöglicht. Wenn wir diese Fehler vermeiden, ist viel möglich bei dieser WM." Es gilt Scheibenverluste im Mittel- oder gar im eigenen Drittel zu vermeiden, im Powerplay Chancen zu erarbeiten, dem Gegner möglichst wenige Überzahl-Gelegenheiten zu geben.

Auf politischer Ebene gibt's eine weitere Eishockey-Parallele zwischen Österreich und Weißrussland. Wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel schnürt Staatspräsident Alexander Lukaschenko mit Regelmäßigkeit die Hockeystiefel. Im Gegensatz zu Schüssel allerdings hat Lukaschenko in der großen Eishalle der Hauptstadt eine eigene Kabine. Selbst dieser Tatsache ungeachtet, wollen die Österreicher heute siegen. Egal wie. Teamchef Pöck, der nach der Vorrunde seinen im AHL-Playoff mit Hartford gescheiterten Sohn Thomas in die Mannschaft einbauen kann, hat als Devise ausgegeben, dass "Schönspielen nicht gefragt ist". Nach den Umständen wird tatsächlich keiner fragen, sollte Markus Peintner am Ende feststellen können, dass gewonnen gewonnen ist. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 02.05.2005)

  • Bernd Brückler machten den Russen des öfteren einen Strich durch die Rechnung. Jetzt soll er's auch gegen die Weißrussen richten.
    foto:epa/artinger

    Bernd Brückler machten den Russen des öfteren einen Strich durch die Rechnung. Jetzt soll er's auch gegen die Weißrussen richten.

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