Ertragreiche Trendfolger stecken in tiefer Krise

9. Mai 2005, 14:02
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Die ersten vier Monate sind für die als Segensbringer gepriesenen Trendfolger mies gelaufen - Verluste von minus sieben Prozent sind nur der Durchschnitt

Trendfolger, eine Spielart von Hedgefonds, produzieren heuer negative Schlagzeilen im alternativen Investmentbereich. Diese auch Commodity Trade Advisors (CTAs) oder Managed Futures genannten Produkte, die mit computerbasierten Handelssystemen arbeiten, erwirtschafteten in den vergangenen 25 Jahren durchschnittlich 12,17 Prozent pro Jahr. Sie machen rund sechs Prozent der weltweiten Hedgefondsassets aus und erfreuten sich in den vergangenen Jahren zunehmender Beliebtheit und Verbreitung - einerseits in Dachhedgefonds heimischer Anlagegesellschaften, andererseits in purerer Ausprägung wie etwa bei den Quadriga/Superfund-Produkten.

Der Euro, die Aktienmärkte und rasche Trendumkehr an den Rohstoffmärkten haben diesen CTAs heuer allerdings teils gewaltige Verluste beschert. Heimische Häuser (FTC, SMN, Merit, Quadriga) bewegen sich in Bandbreiten zwischen heuer minus sieben und minus 45 Prozent in zwölf Monaten. Deutlich zweistellige Verluste ziehen sich auch durch die internationale Szene.

Wer CTAs ins Portfolio beigemischt hat, sieht die Situation vermutlich wenig dramatisch. Und kann sogar noch mit "Schwankungsbreiten" der ohnehin sehr volatilen Produkte argumentieren. Bitter ist die Situation für Anleger, die mit Einzelinvestments in Fonds sitzen. Wer beispielsweise beim Aeneas-Futures-Fonds der Merit auf mittlerweile fast 50 Prozent Minus sitzt, braucht 100 Prozent Steigerung, um auf den Ursprungswert zurückzukommen. (Wie lange die Indizes zur Erholung brauchen, zeigt oben stehende Tabelle.)

Dass es auch positive Ausreißer gibt, zeigt der Alternative Selection-Dachfonds der Volksbanken: Er ist aktuell zu rund 13 Prozent in Managed Futures investiert, davon liegen zwei Drittel in einem Trendfolger (Winton), der im ersten Quartal sogar vier Prozent Plus zusammenbrachte.

Die Mehrheit der Trendfolger generiert ihre Kauf- und Verkaufssignale aus Computerprogrammen im mittelfristigen Zeithorizont. Das heißt sie brauchen Trends, die einige Monate anhalten. Bewegen sich Finanzmärkte jedoch seitwärts oder drehen sehr schnell, dann gibt es Fehlsignale und somit Verluste. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.5.2005)

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    grafik: standard/progressive capital partners
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