Blair erwog bereits im Sommer 2002 Teilnahme an Irak-Krieg

4. Mai 2005, 14:07
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Laut einem Bericht der "Sunday Times" - Sprecherin des britischen Premiers spielt Bericht herunter

London - Der britische Premierminister Tony Blair hat einem Zeitungsbericht zufolge bereits im Juli 2002 eine Beteiligung Großbritanniens an einer US-Militäraktion im Irak erwogen - acht Monate vor dem Beginn der US-geführten Invasion im März 2003.

Die "Sunday Times" veröffentlichte am Sonntag ein internes Papier des britischen Außenministeriums, wonach Blair mit seinen engsten Mitarbeitern am 23. Juli 2002 über den sich abzeichnenden Konflikt im Irak gesprochen habe. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes Richard Dearlove habe bei dem Treffen gesagt, ein "militärisches Handeln" werde in Washington als "unvermeidbar" angesehen.

"Wir sollten von der Annahme ausgehen, dass sich das Vereinigte Königreich an jeder militärischen Aktion beteiligt", heißt es in der Schlussfolgerung des Papiers, das die Zeitung im Wortlaut abdruckte. London brauche jedoch noch ein vollständigeres Bild von den US-Planungen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werden könne, heißt es weiter.

Sprecherin spielt Bericht herunter

Eine Sprecherin des Premiers sagte über den Bericht, das Treffen im Juli 2002 habe stattgefunden, bevor die Entscheidung für eine neue UN-Resolution gefallen sei. Mit der Verabschiedung der Resolution und der damit verbundenen Erhöhung des diplomatischen Drucks auf den Irak sei das Thema des Treffens "überholt" gewesen.

Blair, der bei der Parlamentswahl am kommenden Donnerstag für eine dritte Amtszeit kandidiert, steht derzeit wieder wegen des Irak-Kriegs in der Kritik. Viele Briten werfen ihm vor, seine Landsleute in einen "illegalen Krieg" geschickt zu haben. Blair hatte die britische Beteiligung am Irak-Krieg mit dem irakischen Besitz von Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt. Es wurden jedoch keine derartigen Waffen im Irak gefunden. (APA)

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