Israel und Türkei vereinbaren direkten Informationsaustausch

4. Mai 2005, 17:37
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Türkei bietet Rüstungsgeschäfte und Vermittlerdienste - In der Vergangenheit scharfe Kritik aus Ankara wegen Palästinenser-Behandlung

Jerusalem - Israel und die Türkei haben die Einrichtung einer direkten Telefonverbindung auf Regierungsebene beschlossen. Auf diese Weise soll künftig ein enger Informationsaustausch insbesondere in der Terrorbekämpfung garantiert werden. Eine derartige Standleitung auf höchster Ebene gebe es auch schon mit den USA, Großbritannien, der EU und Russland, sagte der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon am Sonntagabend nach einem Treffen mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan in Jerusalem.

Vermittler in der Region

Erdogan bot erneut Vermittlerdienste im Nahost-Konflikt an. Die Türkei sei zur Ausrichtung von Konferenzen bereit, wenn Israelis und Palästinenser dies wünschten, sagte er vor dem Abflug nach Israel.

Erdogan hatte Israel in der Vergangenheit wegen seines Vorgehens in den Palästinenser-Gebieten scharf kritisiert und die Armeeeinsätze als "Staatsterrorismus" verurteilt. Der Besuch wurde daher als Anzeichen für eine Verbesserung der Beziehungen gesehen, die seit Beginn des Palästinenser-Aufstands Intifada gelitten hatten. Am Abend trifft Erdogan seinen Amtskollegen Ariel Sharon. Der türkische Politiker bereist Israel und die Palästinenser-Gebiete an der Spitze einer großen Delegation von vier Ministern und rund 100 Geschäftsleuten.

Millionenvertrag

Israel und die Türkei unterhalten enge wirtschaftliche und militärische Kontakte. Nach israelischen Medienberichten soll während Erdogans Besuch ein Millionenvertrag über den Kauf israelischer unbemannter Kleinflugzeuge (Drohnen) unterzeichnet werden soll. Zudem werde erwartet, dass Israel und die Türkei erneut eine Vereinbarung über die Aufrüstung von Kampfflugzeugen des Typs Phantom unterzeichnen. An diesem Montag besucht Erdogan die Palästinenser-Gebiete. In Ramallah sind ein Treffen mit Präsident Mahmud Abbas und Ministerpräsident Ahmed Korei sowie ein Besuch am Grab von Yasser Arafat vorgesehen.

Erdogan ist nach 1994 der zweite Ministerpräsident, der Israel einen offiziellen Besuch abstattet. Er traf am Sonntag auch mit Staatspräsident Moshe Katsav zusammen und besuchte die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Am Montag will er die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem besuchen und zu Gesprächen mit der palästinensischen Regierung nach Ramallah reisen.

(APA/dpa)

  • Der türkische Premierminister Tayyip Ergogan beim israelischen Präsidenten Moshe Katsav.
    foto: pap/epa/jim hollander

    Der türkische Premierminister Tayyip Ergogan beim israelischen Präsidenten Moshe Katsav.

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