Nordkorea könnte Kurzstrecken-Rakete getestet haben

2. Mai 2005, 07:12
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Berufung auf Regierungsquellen in Tokio - Nordkorea beschimpft Bush nach dessen "Tyrannen"-Kritik

Tokio - Nordkorea hat möglicherweise eine Kurzstrecken-Rakete über dem Japanischen Meer getestet. Das japanische Verteidigungsministerium sei am Sonntag entsprechend vom US-Militär informiert worden, berichteten japanische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Regierungsquellen in Tokio. Die japanische Regierung versuche, die Informationen über den möglicherweise am Morgen (Ortszeit) erfolgten Raketenabschuss zu bestätigen.

1998 hatte Nordkorea eine ballistische Rakete über Japan hinweg getestet. Obwohl Pjöngjang behauptete, es sei ein Satellitenstart gewesen, hatte sich Japan veranlasst gesehen, die Erforschung eines Raketenabwehrsystems gemeinsam mit den USA zu beginnen.

Im Mai 1993 hatte Nordkorea eine Rakete vom Typ Rodong-1 mit einer geschätzten Reichweite von 1000 Kilometern in Richtung des Japanisches Meeres abgefeuert. Der Abschuss war zu einer Zeit erfolgt, als die Verhandlungen zwischen Pjöngjang und Washington über das nordkoreanische Atomprogramm ins Stocken geraten waren.

Nordkorea beschimpft Bush nach dessen "Tyrannen"-Kritik

Nordkorea erwartet nach eigenen Angaben keine Lösung im Konflikt um sein Atomprogramm, solange US-Präsident George W. Bush im Amt ist. Als Reaktion auf Bushs jüngste Bezeichnung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il als "Tyrannen" wurde der US- Präsident in einer am Samstagabend von den offiziellen Medien veröffentlichten Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang zugleich als "Raufbold" bezeichnet.

"Er ist ein unreifer Mensch hinsichtlich der Moral und ein Spießer, mit dem wir uns niemals abgeben können", hieß es. "In der Welt kann niemals Frieden erreicht werden, solange Bush an der Macht ist." Während seiner Amtszeit werde es voraussichtlich nicht nur keine Beilegung des Atomstreits, sondern auch keinen Fortschritt in den bilateralen Beziehungen geben, hieß es weiter.

Bush hatte Kim in einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag, unter anderem als "gefährliche Person" bezeichnet. Bush bekräftigte zugleich, dass Verhandlungen der beste Weg zur Lösung des Konflikts mit Nordkorea seien.

Im Februar dieses Jahres erklärte Nordkorea offiziell, Atomwaffen zu besitzen, und kündigte zugleich seinen Rückzug von den Sechs-Länder- Gesprächen unter Beteiligung der USA, Südkoreas, Japans, Chinas und Russlands an. (APA/dpa/Red)

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